Das war Zuviel! Erschrocken knallt er den Hörer zurück auf die Gabel seines alten ISDN-Telefons. Ein feucht glänzender Handabdruck in einer dicken Staubschicht. Zitternd setzt er sich neben das Gerät und betrachtet es verschüchtert, ohne ihm zu nahe zu kommen. Soziale Kontakte sind im richtigen Leben wirklich nicht sein Ding. Plötzlich, wie aus dem Nichts, ein Klingeln...
Ein Klingeln von nirgendwo
Verwundert schaut Otto sich um, die Tür kann das nicht sein, die klingt anders. Sein Blick fällt auf den verstaubten Apparat... konnte das sein?
Angstschweiß perlt ihm von der Stirn, als ihn die schicksalsträchtigen Gewissheit überkommt: Er sollte abheben. Hörer in die Hand, nur die Ruhe. „Ja, bitte?“ Eine Frauenstimme. „Telefonseelsorge. Sie haben eben angerufen und direkt wieder aufgelegt und da wollten wir mal nachhören ob es Ihnen...“
Ohne nachzudenken stammelt Otto seine ICQ-Nummer, wiederholt sie wieder und wieder. Dazu die Worte „ICQ, ICQ!“ Dann legt er auf. Geschafft! Wie peinlich, was muss die Dame am anderen Ende bloß von ihm denken? Nachdenklich setzt er sich an den Rechner, vielleicht hatte die junge Frau von der Seelsorge ja seinen Hilferuf verstanden.
Soziale Kontakte sind nicht sein Ding
Frustriert loggt er sich über wapd.de in sein WAP-ICQ ein. Da blinkt auf einmal das "New User"-Symbol. Die Dame von der Seelsorge. Durch zwei Tastaturen und die Distanz des Internets von ihr getrennt, traut Otto sich plötzlich, alles zu erzählen. Von Bea, von Silke, von seiner großen Schwester, von nächtelangen Chat-Sessions und den Folgen der gleichgeschlechtlichen Liebe.