Nach den vielen negativen Nachrichten aus dem IT-Sektor, scheint Intel klammheimlich einen neuen alten Markt erobert zu haben. Mit dem Intel Centrino Mobilprozessor, oder besser gesagt einer pfiffigen Mischung aus CPU und Peripherie machten sie einen gerade boomenden Markt zur Spielwiese ihrer Wunschvorstellungen.
Intel hatte zwar schon immer den Markt für Mobilprozessoren dominiert, aber nach einer neuen IDC Markteinschätzung ist der Centrino die neue nummer Eins. Von allen Notebooks, die in 2003 ausgeliefert wurden, sollen bis zu 42% mit der Intel Centrino Mobiltechnik ausgestattet sein. Und das, obwohl Intel die Marke und die dahinterstehenden Technik erst im Frühjahr diesen Jahres einführte. Offensichtlich hat genau den Geschmack des Kunden getroffen. Der Boom im Bereich Wireless LAN unterstützte Centrino zudem, denn WLAN ist integraler Bestandteil der Intel Centrino Technik.
Überall an jedem Ort, wireless und megaflott. Das Centrino Design ist anders, anstelle auf die reine Leistung zu setzen, beachtete man den Wunsch des vornehmlich mobilen Kunden von Notebooks. Die Laufzeit ist den meisten Nutzern wichtiger, als die reine Prozessorleistung. Klein, leicht, gut ausgestattet und mit einer Akkulaufzeit von der Länge eines Arbeitstages versehen, könnte man den Büroalltag revolutionieren.
Die Mischung machts
Centrino besteht aus zwei Teilen, dem stromsparenden Intel Pentium M Mobilprozessor und einem ebenso stromsparenden Chipsatz, der die Systemkomponenten vereint. Darin ist neben einer Grafikkarte, einem Speicherinterface mit DDR-RAM, Schnittstellen (USB 2.0, Firewire, LAN) auch ein Wireless LAN-Adapter vorgesehen. Dieser entspricht zwar nur dem 11-Mbit-Standard IEEE 802.11b, bietet aber genug Leistung, um drahtlos online gehen zu können. Die Alternativvariante mit einer 802.11a/b-Kombination gehen wegen der geringen Verbreitung nur die wenigsten Hersteller. Der aktuelle G-Standard kann nur eingebaut werden, wenn der Hersteller auf die Centrino-Zertifizierung verzichten. Doch dem überzeugenden Gesamtpaket stehen alle Hersteller aufgeschlossen gegenüber, nicht nur weil alle aktuellen Features in einem Paket zur Verfügung stehen, sondern weil die Kombination äußerst genügsam mit dem kritischen Faktor Akku umgehen. Sie verbrauchen recht wenig Strom, werden dadurch kaum heiß und erlauben eine passive Kühlung. Damit sind sehr flache und leichte Notebooks möglich, da kleinere und weniger leistungsfähige Akkus eingebaut werden können. Auf der anderen Seite sind mit besonders leistungsfähigen Akkusätzen sehr lange Notebooklaufzeiten möglich.
Grund für den recht moderaten Leistungsverbrauch ist vor allem der Prozessor. Der Pentium M basiert noch auf der älteren Pentium-3-Architektur und wurde um einen größeren Zwischenspeicher versehen. Somit wird die Leistungsfähigkeit des Prozessors gesteigert, gleichzeitig kann die Taktfrequenz reduziert werden. Das Einstiegsmodell des Pentium M liegt nur bei 1,3 GHz, die ultrastromsparenden Modelle bei 900 MHz. Die Leistungsfähigkeit ist aber deutlich darüber anzusetzen. Um die 500 MHz sind sie im Vergleich mit dem Pentium 4 M effektiv wohl schneller. Takt nicht gleich Takt und vielen Nutzern ist eine hohe Laufzeit eines Notebooks wichtiger. Centrino Geräte sind für den Windows-Betrieb, aber auch Spiele, immer noch schnell genug, so dass vermehrt Hersteller auch Spielenotebooks mit echter Grafikeinheit auf den Markt bringen. Diese haben im Spielebetrieb zwar keine besonders gute Laufzeit, im Stromsparmodus in Windows laufen sie aber auch sehr lange, ohne am Stromnetz gefüttert zu werden.
Notebook ui, Desktop pfui
Notebooks sind heutzutage so schnell geworden, dass jedes Gerät als Desktopersatz für die meisten Tätigkeiten von Otto-Normal-User ausreicht. Die meisten PCs auf dem Markt sind für absolut überdimensioniert. Zum Briefe schreiben, surfen und Email reichen 400-MHz-Prozessoren vollkommen aus. Einstiegsrechner haben meist um die 2 GHz, Notebooks sind etwas langsamer. Der Markt für den Desktop-PC stagniert bereits seit Jahren, während Notebooks von Jahr zu Jahr gefragter sind. Auf diesen Zug ist Intel in weiser Voraussicht aufgesprungen. Nun zahlt sich diese Entscheidung aus. Centrino-Technik ist gefragt wie nie und dank der großartigen Marketinganstrengungen, man erinnere sich an die Werbung mit dem Mount Everest, scheinen die Kunden förmlich auf Centrino zu fliegen. Es ist für den schreibtischgequengelten Arbeiter halt ein Segen, dank langer Akkulaufzeit und Wireless LAN an der Stelle seiner Wahl arbeiten zu können und nicht mehr vom realen Arbeitsplatz abhängig zu sein.