Bunt gegen grau
Bunt leuchtet das Farbdisplay im sozialistisch grauen Einerlei chinesischer Vorstädte. 65000 Farben, das sind genau 64.996 mehr, als das normale Bild von China hervorbringt: Das rot der Parteifahnen, das grau der Plattenbauten, das blau der Overalls und das Olivgrün des chinesischen Militärs.
Das CL55 ist nur eines von 16 Mobiltelefonen für den chinesischen Markt, die Siemens Mobile seit Jahresbeginn in China auf den Markt gebracht hat. Zuletzt wurden auf einer Modemesse deren Namen „Fashion rocks Shanghai“ an MTV-Jargon erinnert, die neuen Xelibri-Telefone vorgestellt. Besonders begehrt bei den Chinesen ist das SL55, das auch Bilder schießen kann.
Stille Revolution
Vielleicht bedeuten Photohandys das Aus für das kommunistische Regime. Sofern die Provider es nicht zu verhindern wissen, kann jedermann das Unrecht, das der Staat ausgeht, binnen Sekunden auf digital festhalten und in alle Welt versenden. Ein großer Schritt in Richtung Demokratie, den die politische Führungskaste offenbar noch nicht begriffen hat.
Auch das CL55 hat eine aufsteckbare Kamera. Siemens sägt damit unbewusst an den Stühlen der Politkader. Allerdings nur mit einem Marktanteil von 6 Prozent. Andere Hersteller haben im bevölkerungsreichsten Land Asiens also die Nase vorn. Bei 250 Millionen Geräten werden wahrscheinlich mehrere Milliarden SMS im Jahr versendet. Deren Inhalt ist schwer zu überwachen. Daher bedeuten Handys in China ein Stück persönliche Freiheit für die Chinesen.