Wird es bald Tariferhöhungen für T-DSL-Zugänge mit eigenem Backbone geben? Erhebliche Verzerrungen auf den Telekommunikations- und Internetmärkten befürchten die im Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) organisierten Telekommunikationsunternehmen durch die neueste Entscheidung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP).
Die DSL-Vorleistungspreise für das
ZISP-Verfahren, die die Wettbewerber an die Telekom zu zahlen haben, werden erhöht. Leistungen, die bis vor kurzem noch im T-DSL-Endkundenpaket der Telekom enthalten waren, sollen nun den Wettbewerbern in Rechnung gestellt werden. Damit fallen diese Leistungen natürlich aus dem Paketpreis für Endkunden heraus. Dies entschied die Behörde am 19. September 2003.
„Wir halten diese Tarifgenehmigung für eine unzulässige Preiserhöhung im Breitbandbereich und für regulierungspolitisch verfehlt. Sie droht nicht nur den gerade beginnenden Wettbewerb bei den breitbandigen Internetdiensten im Keim zu ersticken, sondern stellt auch eine verdeckte Preiserhöhung für den Endkunden dar. Dieser bekommt bei unveränderten Preisen weniger Leistung“, erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM.
Das Landgericht München hatte jüngst mit seinem Beschluss vom 13. August 2003 sogar die Wirksamkeit der in diesem Kontext von der DTAG angestrebten Änderung der allgemeinen Geschäftsbedingungen in Frage gestellt. „Gerade haben Unternehmen begonnen, der Deutschen Telekom im Breitbandbereich ernsthaft Konkurrenz zu machen. Mit dieser Entscheidung wird es den Unternehmen erschwert, eigene Produkte und Dienste, wie z.B. Flatrate-Tarife anzubieten“, führt
Jürgen Grützner weiter aus.
Die mögliche Folge: Es könnte durch diese Entscheidung durchaus zu Preiserhöhungen im Bereich der Breitbandzugänge für alternative T-DSL-Zugänge kommen. Nutzer von T-DSL ZISP sind z.B. Provider, die die Daten mittels T-DSL-Anschluss einem eigenen Backbone zuführen. Am bekanntesten sind da wohl freenet, Telefónica und AOL. Diese Zuführung über einen sogenannten IP-Tunnel wird in Zukunft für die Konkurrenten teuer. Je nach insgesamt genutzter Maximalbandbreite aller Kunden eines Providers fallen 63,25 Cent pro 10 KBit/s an.