Montagmorgen, 10.30 Uhr: der MacDonalds in Freilassing. Ein paar Freunde des besonders guten Geschmacks lassen sich sogar um diese Zeit den BigMac nicht nehmen. Wir sitzen vor zwei Cappucinos und warten, warten auf Christoph R.
Christoph R. hat mit seiner Firma MMCCR eine Unzahl von eBay-Kunden um ihr Geld geprellt, indem er Rechner versteigerte, kassierte, doch nicht lieferte. Zurzeit liegen in Traunstein bei der Staatsanwaltschaft rund 200 Anzeigen gegen ihn vor. Gesamtschaden: rund 160.000 Euro. Wohl nur die Spitze des Eisberges – die Zahl derer, die ihn nicht angezeigt hat, ist immer noch beachtlich.
17 die auszogen, R. das fürchten zu lehren
Nicht nur wir warten auf Christoph R. Insgesamt 17 seiner Gläubiger sind aus ganz Deutschland angereist, um ihr Geld von dem 24jährigen Geschäftsmann persönlich einzufordern. Sonntagabend sind sie angekommen - mit zwei Kleinbussen in einem Hotel in Anger, nahe Freilassing. Die Gruppe ist bunt durchmischt: Da ist Ingo K.,der Techniker, der einem seiner fünf Kinder endlich einen Computer schenken wollte. Da ist Thomas K., der Zigarillo rauchende Ingenieur, der zwar den Schaden hat, aber für den die Freude, Christoph R. einmal persönlich kennen zu lernen viel wichtiger ist. Da ist der Informatiker Semmo B., der dem MMCCR-Chef auf einen Schlag 1900 Euro überwiesen hat.
Telegenes Durchsetzungsvermögen: "Nie schlagen, immer freundlich bleiben"
Im Hotel führt Akte Interviews, sammelt Geschichten, will wissen wie viel ein jeder gezahlt hat, was er sich von seiner Reise nach Freilassing erwartet und ob er auch eBay eine Mitschuld gibt. Bilder von Christophs R. werden ausgeteilt, jungenhaftes Konterfei im roten Rolli. Auf der Kreidetafel entsteht ein Lageplan vom Firmensitz: da sind Hindernisse, hier wird’s eng. Dazu Unterweisungen in telegener Durchsetzungsfähigkeit: zügig am Eingang vorbei, Hände an die Hosennaht, nie schlagen, immer freundlich bleiben – alles im legalen Bereich.