Den eBay-Neppern auf der Spur. Im Fall Vatancom bittet Onlinekosten jetzt um Ihre Mithilfe. Die Hildesheimer Firma hatte von rund 100 eBay-Kunden fast 100.000 Euro Vorkasse erhalten, die vertraglich zugesicherten Rambus-Rechner jedoch nie geliefert. Die Polizei ermittelt: Rund 70 Betrugsanzeigen liegen inzwischen gegen Vatancom-Geschäftsführer Oben K. (36) vor. Noch Ende Dezember letzten Jahres versprach K. im Onlinekosten-Interview, allen Lieferverpflichtungen bis zum 15. Januar 2003 nachzukommen – doch nichts geschah. Sachbearbeiter Block von der Kripo Hildesheim dazu: „Der Betrugsverdacht erhärtet sich nunmehr von Tag zu Tag.“
Ulusoy Computers – eine Briefkasten-Firma?
In den polizeilichen Vernehmungen gab K. an, hinter Ulusoy Computers stehe eine große Firma mit Hauptsitz in Schweden. Die deutsche Vertretung befinde sich in der Hauptstätter Straße in Stuttgart, dort wohne auch Firmen-Chef Önder U. Ein Testanruf dort ergab: Ein Önder U. ist dort nicht bekannt. Onlinekosten fand jetzt mit Hilfe der Betroffenen heraus: Der berühmte Firmensitz ist in Wahrheit eine türkische Kneipe und einen Önder U. gibt es dort nur noch auf dem Briefkastenschild.
Stuttgart am Wochenende: Frank B. (39) macht sich mit einem anderen Vatancom-Geneppten auf die Suche nach Firmen-Chef Önder U. Alles was sie haben ist die Adresse des "Firmensitzes". Frank B. dazu: „Morgens gegen 10.00 Uhr kamen wir in der Hauptstätter Straße an. Nicht gerade Stuttgarts feinste Adresse: Das Rotlichtviertel ist gleich um die Ecke, auf der Straße lauter Obdachlose und Prostituierte. Die Hausnummer, die uns die Polizei mitgeteilt hatte, gab es tatsächlich – nur war dort kein Firmensitz zu finden, sondern lediglich eine türkische Kneipe und eine Bäckerei, direkt daneben ein neues Internetcafe.“
„Vor der Tür lauter Klingeln mit den verschiedensten Mietern, nur Us. Name war nicht dabei. Wir glaubten schon, den Road-Trip umsonst gemacht zu haben, bis wir auf die Idee kamen im Haus noch auf die Briefkästen zu schauen. Und siehe da: voller Erfolg. Auf dem Briefkasten von der Türken-Kneipe „Zum weißen Ross“ war noch ein zusätzlicher Name eingetragen: „Önder U.“ Mein erster Eindruck: Von wegen Firmen-Imperium - wir sind auf eine typische Briefkasten-Firma reingefallen.“