
Mitte der 80er fing alles an. Ich war 11 und mein Sorgenhorizont nicht weiter als bis zum nächsten Süßigkeitenautomaten. Wichtig war, dass der Brotbelag in der großen Pause stimmte, dass es mittags Spaghetti oder Fischstäbchen gab und genug Spielzeug zum Angeben da war. Irgendwann bekam Peter diesen Atari geschenkt. Eigentlich mochte ich Peter, doch ab diesem Moment begann ich ihn zu hassen.
Denn plötzlich war nicht mehr ich der Mittelpunkt des Grundschuluniversums, sondern er. Da saß ich nun auf meinen weihnachtlich mühsam erbettelten Lego-Welten, meinem Playmobil-Reservat und meinen FisherPrice-Maschinen. Die prestigeträchtige „Kann ich heute bei Dir spielen“-Frage blieb aus. Nichts, nada – ich war sprichwörtlich abgeschrieben.
Irgendwann hatte ich das Alleinsein satt, raffte mich auf zum Gang nach Canossa und schellte an Peters Tür: „Hallo Peter, kann ich heute…“, - verdammt, ich hätte nie gedacht, dass ich ihn das fragen würde - … doch das „mit dir spielen“ blieb mir erspart. Irgendein Zahnspangen-Kamerad von Peter hatte die Tür geöffnet und war schnell wieder im Wohnzimmer verschwunden, ohne meine Niederlage auszukosten, hatte es wahrscheinlich gar nicht mitgekriegt.
Ich stapfte also zum Wohnzimmer, öffnete die Tür und krähte ein joviales „Hallo Jungs“ in den Raum. Keine Antwort. Acht paar Augen starrten gebannt auf einen flimmernden Fernseher. Ein Knarren und Knattern im Raum – sonst Totenstille. Nur ab und an wagte einer mal nach den Chipsletten zu greifen oder an seiner CherryCoke zu nippen. Da stand ich nun, mein ganz persönliches Golgatha vor Augen, meine Kreuzigung, das Ende. Wie sollte ich daneben noch bestehen? Der Klassenkönig war enttrohnt – von einem knatternden Atari-Dingsda.