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Apple: Mit dem iPhone 5 (zurück) an die Spitze

Es hätte die langweiligste Vorstellung eines Apple-Geräts werden können - waren doch alle Informationen über das iPhone 5 schon vorher durchgesickert. Doch die Hauptrolle am Mittwoch spielte die Vision von Apple für die vernetzte Zukunft.

Apple© Apple

Selten hat es eine Apple-Präsentation mit so wenigen Überraschungen gegeben. Seit Wochen schon war das Internet voll mit angeblichen Fotos und Videos der nächsten iPhone-Generation. Und sie stimmten alle. Das iPhone 5 ist also dünner, leichter und größer. Es hat eine Rückseite aus Metall statt Glas und beherrscht nun wie Top-Modelle der Konkurrenz auch den Daten-Turbo LTE - wenn auch nur eingeschränkt.

Chance für Nokia

Alles kam wie erwartet - und prompt meldeten sich Kritiker zu Wort, die das Ausbleiben großer Innovationen bemängelten. Apple habe damit Rivalen wie Nokia Freiraum gegeben, mit weiteren Funktionen aufzutrumpfen, etwa dem NFC-Funk, mit dem man mobile Bezahlsysteme aufbauen kann, urteilte etwa der Onlinedienst CNET.

Der im vergangenen Herbst verstorbene Gründer Steve Jobs predigte immer, dass die Geräte vor allem ordentlich funktionieren müssen. So waren die iPhones bei den technischen Daten meist etwas schwachbrüstiger als die Konkurrenz - die erste Generation hatte noch nicht einmal UMTS, um den Akku zu schonen. Auch jetzt baute Apple in das iPhone 5 weniger ein als andere schon haben: Kein NFC-Chip, keine ausgefallenen Funktionen wie Entsperrung der Geräte durch Gesichtserkennung.

Der neue Apple-Chef Tim Cook bleibt den Grundfesten seines legendären Vorgängers treu. Die Innovationen des neuen iPhone und der erneuerten iPod-Player seien zwar auch für sich genommen "unglaublich", erklärte er bei der Präsentation in San Francisco. "Aber was sie wirklich herausragend macht und uns vor die Wettbewerber stellt, ist, wie gut sie miteinander funktionieren."

NFC wird kaum benötigt

Funktionen sind bei Apple meist nur ein Mittel zum Zweck. "Welche technischen Innovationen Apple auch immer einführt, sie haben immer ein Nutzungsszenario dafür", argumentierte Gartner-Analystin Roberta Cozza. "NFC ist beim Verbraucher noch nicht angekommen. Ich glaube nicht, dass das Fehlen von NFC den Absatz des iPhone 5 bremsen wird."

Auch Nikolaus Mohr von der Unternehmensberatung Accenture glaubt nicht, dass Apple trotz der vorsichtigen Innovation-Schritte Absatzprobleme bekommt: "Apple hat dank der Stärke seiner Marke eine große Fangemeinde, die danach lechzt, dieses Telefon in die Hand zu bekommen."

Konsequente Weiterentwicklung

Die Visionen von Jobs gelten auch in Zeiten des iPhone 5. Die Rolle des Online-Speicherdienstes iCloud als Fundament und digitale Datenzentrale wird noch verstärkt. Statt eines Feuerwerks an neuen Funktionen und Diensten wird das Smartphone graduell weiterentwickelt.

"Ich glaube, die Wichtigkeit der technischen Neuerungen sinkt - es sei denn, es ist wieder ein wirklicher Technologiesprung", sagte Accenture-Experte Mohr. Es sei eine spannende Frage, wie sich die Player im Smartphone-Markt in Zukunft grundsätzlich differenzieren wollen: "Was ist technisch der nächste große Sprung, die nächste große Innovation? Ich glaube, da geht vielen jetzt die Fantasie aus."

Während Cook und seine Mannschaft bei der großen Strategie konsequent den Jobs-Kurs halten, revidieren sie bei den Details so manche Entscheidung des Gründers. So bekommt das iPhone jetzt schließlich doch einen größeren Bildschirm. Und genauso soll es im kommenden Monat - wenn auch diese Gerüchte stimmen - erstmals eine kleinere Version des iPad geben. Das ist etwas, was Jobs zumindest öffentlich stets ablehnte.

So wie einst Jobs ließ es sich Cook am Mittwoch nicht nehmen, die Stärken von Apple hervorzuheben und den einen oder Seitenhieb auf die Konkurrenz loszulassen. "Wir haben mehr iPads verkauft als jeder PC-Hersteller von seiner gesamten Modellpalette", erklärte er. Es seien zwar mehrere hundert Konkurrenz-Tablets auf den Markt gekommen, aber den Internet-Verkehr von Tablets aus dominiere das iPad mit einem Anteil von 91 Prozent. Die anderen Geräte "müssen in Lagerhäusern, Ladenregalen oder in Schubladen stecken".

Seitenhieb in Richtung Nokia

Auch das jüngste PR-Debakel des Rivalen Nokia griff Apple auf: Die Finnen hatten bei der Präsentation ihres Top-Modells Lumia 920 auch Bilder und Videos gezeigt, die gar nicht mit dem Smartphone, sondern mit professioneller Ausrüstung aufgenommen worden waren, so dass sie sich später dafür entschuldigen mussten. "Echte Bilder, die mit einem iPhone 5 aufgenommen wurden", lautete jetzt die unmissverständliche Überschrift auf einer Apple-Seite mit Beispiel-Foto.

Für Cook war das neue iPhone nach einem Jahr an der Spitze der ultimative Eignungstest. Bei der Präsentation suchte er nicht das Rampenlicht, sondern überließ wieder einmal viel Platz auf der Bühne seinen Top-Managern wie Marketing-Chef Phil Schiller oder iOS-Vordenker Scott Forstall. Die Botschaft bleibt unverändert: Einen Steve Jobs kann man nur als Team ersetzen.

(Hayo Lücke)

Quelle: DPA

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