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Appell für Offenheit im Netz

Sechs Tage lang haben 10 000 Technik-Interessenten aus 77 Ländern in Berlin über aktuelle Forschungstrends und neue Geschäftsmodelle diskutiert. Web-Pionier Berners-Lee rief sie vor ihrer Heimfahrt dazu auf, sich für die Freiheit und Offenheit im Internet einzusetzen.

Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Zum Abschluss einer sechstägigen Technik-Konferenz in Berlin hat der Web-Pionier Tim Berners-Lee alle Internet-Nutzer dazu aufgerufen, sich für Freiheit und Offenheit des weltweiten Computernetzes einzusetzen. Insbesondere bei mobilen Geräten gebe es die Tendenz einzelner Hersteller, geschlossene Systeme zu errichten, die nicht mehr allgemein zugänglich seien, kritisierte der britische Informatiker. Auch die Regierungen autoritärer Staaten verfolgten solche Ziele. Berners-Lee hat 1989 am europäischen Kernforschungszentrum CERN die grundlegenden Web-Standards HTML und HTTP entwickelt und gilt deswegen als "Vater des World Wide Webs".

HTML5 erntet Lob

Die jüngste Version des Hypertext-Standards für Web-Seiten, HTML5, sei ein mächtiges Werkzeug für die Entwicklung von Web-Inhalten aller Art, auch für mobile Apps, sagte Berners-Lee. "HTML5 ist der eine Standard, den alle Browser auf der Welt verstehen können." Und HTML5 mache die Entwicklung von Multimedia-Anwendungen möglich, für die früher die Software einzelner Firmen wie Adobe (mit der Technik Flash) oder Microsoft (Silverlight) erforderlich gewesen sei. "Jede Webseite kann ein kleiner Computer sein", sagte der 57-Jährige, der als Direktor des World-Wide-Web-Konsortiums (W3C) maßgeblich an der Entwicklung von Internet-Standards beteiligt ist.

Berners-Lee zeigte sich zuversichtlich, dass sich die offene Web-Plattform als letztlich attraktiver erweisen werde als alle Versuche einzelner Firmen, sich mit geschlossenen Systemen abzuschotten und so eine große Zahl von Kunden an sich zu binden. Die Entwicklung der IT-Branche habe gezeigt, dass innovationsfeindliche Monopole einzelner Firmen nie von Dauer gewesen seien, sagte Berners-Lee. Den Software-Entwicklern rief er zu: "Habt eine großartige Zeit beim Programmieren, lasst euch weiter davon begeistern, bringt eure Sachen ins Web, teilt es mit allen und haltet euren Code offen!"

Die Veranstalter bezeichnen das Treffen auf dem alten Berliner Flughafen Tempelhof als "größtes Geek-Festival der Welt". Den 10 000 Teilnehmern ging es auch darum, "Europas Quellcode neu zu formulieren, um Europa zu einem besseren Ort zu machen" - so lautete ein Motto der diesjährigen Campus Party, die 1997 in Spanien begründet wurde und nun zum ersten Mal in Deutschland stattfand. Vorträge, Workshops und Wettbewerbe widmeten sich 24 unterschiedlichen Themen, von Astronomie über Apps, Biotechnik und freie Software bis zu Sicherheit, Social Media und Robotertechnik.

Startups sollen blühen

Neben Forschungstrends und aktuellen Themen spielten auch die Chancen zur Gründung neuer Firmen eine Rolle: "Geht raus aus der Uni und rein in die Startup-Szene", hatte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) den "Campuseros", wie sich die Teilnehmer nennen, zur Eröffnung zugerufen. Der Förderung junger Internet-Unternehmen widmen sich inzwischen viele Programme, die als Inkubatoren (Brutkästen) bezeichnet werden.

Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho hatte die Verlagsbranche zudem dazu aufgefordert, sich von einem starren Copyright-Denken zu verabschieden und die Veränderungen durch das Internet zu akzeptieren. Die nächste Campus Party soll in Kalifornien stattfinden, ein Termin steht noch nicht fest.

(Hayo Lücke)

Quelle: DPA

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