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7 Stunden mit Windows 7 – ein Resümee

Seit Donnerstag ist es da: Windows 7. Wie fühlt sich der Umstieg von Vista auf 7 an? Wir haben die ersten sieben Stunden mit dem neuen Betriebssystem verbracht.

Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com
Windows 7 ist seit Donnerstag auf dem Markt und seitdem auch auf meinem PC installiert. Vista brachte nicht den gewünschten Erfolg, viele Nutzer blieben bei XP. Ich hatte mich nach dem Vista-Start vom mittlerweile acht Jahre alten XP-System verabschiedet, aber nicht nur die häufigen Warnungen beim Installieren von Programmen oder Herunterladen von Dateien strapazierten meine Nerven. Das ewige "Vergessen" der stets aufs Neue getätigten Einstellung, meine Fotos und Dokumente einfach nur nach dem Änderungsdatum zu sortieren, missfiel mir auch. Trotzdem war ich im Großen und Ganzen mit Vista zufrieden, durch die "Billig"-Aktion Windows 7 für 50 Euro hat bei mir aber dann die AIDA-Formel der Werbewirkung durchgeschlagen und ich habe Windows 7 Home Premium gekauft. Auf dem neuen Microsoft Betriebssystem lasten nun hohe Erwartungen, die viele Tester als erfüllt ansehen. Was ich in den ersten sieben Stunden erlebt habe:

Inhalt:

1. Installation von Windows 7
2. Geräte-Unterstützung, Heimnetz-gruppe und Look
3. Taskleiste, Widgets und Fazit

Windows 7: 32- und 64-Bit

Während sich Vista-Käufer für eine 32- oder 64-Bit-Version entscheiden mussten, gibt es bei Windows 7 automatisch beide. Mit zwei Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher reichen mir 32 Bit, wer volle vier GB nutzen möchte, greift zu 64 Bit. Die übereinstimmenden Editionen von Vista und Windows 7 qualifizieren meinen Rechner für ein In-Place-Upgrade, um bei Nichtgefallen aber möglichst schnell wieder zu Vista zurückkehren zu können, habe ich mich für eine Parallel-Installation entschieden. Trotzdem sollte ein vorheriges Backup der Daten zur Pflicht gehören.

Ungeplanter Test des Windows 7 Festplatten-Checks

Die Systemanforderungen liegen unter dem aktuellen Standard eines Mainstream-PCs: Prozessor mit einer Taktfrequenz von mindestens einem Gigahertz, ein Gigabyte (GB) Arbeits- und 16 GB Festplattenspeicher für die 32-Bit-Version sowie zwei GB RAM und 20 GB für die 64-Bit-Version, Grafikchip mit DirectX 9-Unterstützung sowie Windows Display Driver Model (WDDM) 1.0 oder höher.

Zwischen Backup und Installation verging etwa eine Stunde, in der ich die Festplatte partitioniere, etwas schief ging, Vista nicht mehr starten wollte, mein altes, noch vorhandenes XP aber per chkdsk den Datenträger teilweise reparieren konnte. Nachdem ich die chkdsk-Aufgabe später Windows 7 aufgebürdet hatte, verschwanden selbst das letzte Festplatten-Haken und das laute durch den Fehler bedingte Stottern - gute Arbeit. Während der Installation fragte Windows 7 nach einer Internetverbindung, um sich direkt Updates und Treiber herunterzuladen. Befolgt man die Anweisungen im Handbuch, erscheinen die ersten Schritte - Upgrade- und Laufwerks-Auswahl - doppelt. Wer die doppelte Zeit nicht abwarten möchte, bootet von der DVD. Die Installation war unkompliziert und verlief recht zügig, die von der EU geforderte Browser-Wahl blieb jedoch aus: Nur der Internet Explorer findet sich im System.

Update vom 27. Oktober: Browser-Wahl wird getestet

Auf die Frage von onlinekosten.de, warum der Bildschirm zur Wahl des Browsers bislang ausbleibt, teilte Microsoft mit, dass dies gerade in die Testphase geht. Wie der Konzern in einem Statement Anfang Oktober aussagte, erhalten die Nutzer, die den Internet Explorer als Standard-Browser nutzen, in den kommenden fünf Jahren das besagte Auswahlfenster. Wer sofort auf eine andere Software umsteigt, wird das Optionsmenü demnach nicht zu sehen bekommen. Geräte wie Maus, Tastatur und Digitalkamera hat Windows 7 gleich erkannt und verwenden können, auch der WLAN-Stick ließ sich nach der oft hilfreichen Methode – Stecker raus, Stecker rein – sofort verwenden. Das Betriebssystem fragt selbständig nach einem WLAN-Key und verbindet sich dann sofort mit dem Internet. Nach fehlenden Treibern hält es im Internet Ausschau, wer keinen Zugang zum Netz hat, hat daher ein Problem.

Praktisch: Heimnetzgruppe

Später poppt die Einstellung für die Heimnetzgruppe auf und vergibt ein Passwort, das notiert werden sollte. Innerhalb einer Heimnetzgruppe können Windows 7 PCs leichter auf gemeinsam genutzte Drucker oder Dateien zugreifen. Im Test mit zwei Rechnern klappte dies auf Anhieb, der Drucker ließ sich sofort nutzen, was bei Vista deutlich komplizierter war. Ein Ubuntu-Notebook erkannte Microsofts neues OS im Netzwerk nicht. Das klappte aber auch unter Vista nicht, was dem Pinguin den schwarzen Peter zuschiebt. Die üblichen von mir genutzten Programme ließen sich alle problemlos auch unter Windows 7 betreiben, eine so gute Unterstützung konnte Vista nach dem Start nicht für sich beanspruchen.

Individueller und hübscher als Vista

Der Look von Windows 7 kann mit verschiedenen, modernen Hintergrundbildern und Farbschemata schnell an den eigenen Geschmack angepasst werden. Das Symbol zur Desktop-Anzeige ist auf die rechte Seite gerutscht, anderweitig anordnen lässt es sich nicht. Dies liegt vermutlich daran, dass eine Mauszeigerbewegung über den Button Aero Peek aufruft, das alle Fenster transparent anzeigt. Wäre das Symbol links, würde der Effekt vielleicht zu häufig versehentlich aufgerufen.

Links hat Microsoft einen Schnellzugriff auf den Windows Media Player und die Bibliotheken angebracht. Diese gab es bei Vista noch nicht: Auf virtueller Ebene rotten sich hier Bilder, Dokumente, Videos und Musik von unterschiedlichen Quellen in Grüppchen zusammen. Sinn und Zweck ist ein 1-Klick-Zugriff auf die Medien, um direkt alle verfügbaren Songs anzuzeigen. Für PC-Einsteiger ist diese Lösung außerdem sicherer - wichtige System-Dateien auf der Festplatte bleiben unangetastet. Eine Sortierung nach dem Änderungsdatum gehört nun übrigens zum Standard, das umständliche Auswählen von Vista entfällt. Ebenfalls erfreulich ist der große Handlungsspielraum bei der Taskbar. Die einzelnen Symbole können nach Belieben ein- und ausgeblendet werden. Auch der dauernd blinkende Briefumschlag für neue E-Mails versteckt sich auf Wunsch für immer. Wie schon durch den Release Candidate bekannt, zeigt das neue Windows mehrere geöffnete Browserfenster oder Dokumente nicht mehr mit einzelnen Taskleisten-Symbolen nebeneinander an, sondern gruppiert alles nach Anwendungen. Drei Firefox-Fenster entsprechen zum Beispiel einem Fuchs-Symbol und zwei schmalen Strichen. Auf den ersten Blick mag dies unübersichtlich wirken, welche Fenster im Einzelnen geöffnet sind, zeigt 7 jedoch in einer hübschen Vorschau per Mouse-over an. Verglichen mit Vista macht dies die Navigation deutlich einfacher und effizienter. Dies gilt auch für die in in Windows 7 neu hinzugekommenen Funktionen Aero Snap, das zwei Fenster wie ein Magnet an die Seiten anheftet und nebeneinander anzeigt, oder Aero Shake, mit dem sich durch Schütteln eines Fensters alle anderen automatisch minimieren lassen.

Sidebar → Desktop-Widgets

Auch wenn sich viele davon gestört fühlten: ich habe anfangs meine Vista-Sidebar vermisst. Über Start → Minianwendungsgalerie lassen sich die kleinen Tools aber auch in Windows 7 aufrufen. Microsoft nennt sie nun Desktop-Gadgets, was schon aussagt, dass sie der Nutzer nicht mehr unbedingt an die Seite, sondern frei auf dem Desktop platzieren soll. Was Microsoft stark verbessert haben will, ist die Suche. Schneller ist diese nur, wenn die zu durchforstenden Ordner bereits indiziert wurden. Neu ist aber die breitere Abfrage von Dateien. Auch, wenn direkt über das Startmenü gesucht wird, schaut Windows 7 zusätzlich ICQ-Nachrichten oder gebookmarkte Websites.

Fazit: Wer Vista mag, muss nicht wechseln – wer nicht, der sollte

Nach einem Tag mit Windows 7 lässt sich sagen, dass eine Umgewöhnung für Vista-Nutzer kein Akt ist. Das Startmenü ist zum Beispiel ähnlich angeordnet und auch die Optik ist nicht komplett verschieden, wobei sich einige Punkte, wie die Systemsteuerung, durchaus verändert haben. Optisch ist Windows 7 ein Vista 2.0 mit Coolness. Effekte wie Aero Snap sehen nicht nur gut aus, sondern sind beim Hantieren mit verschiedenen Dokumenten und Websites sehr hilfreich.

Insgesamt lässt sich mit 7 vieles flotter erledigen. Auch, weil bestimmte Einstellungen an anderer und logischer Stelle angebracht wurden. Was mir entgegen meiner Erwartungen nicht aufgefallen ist, waren weniger Sicherheitshinweise beim Download oder Installationen. Die Benutzerkonten-Steuerung entsprach im Test der Standard-Einstellung, die aber zumindest Änderungen an den Windows-Einstellungen automatisch abnickt. Während Vista nur zwei Zustände - ein- und ausgeschaltet - kennt, bietet Windows 7 vier Abstufungen. Ob nun der Verzicht auf E-Mail-Programm, MovieMaker und Instant Messenger als schlanker Vorteil oder umständlicher Nachteil zu sehen ist, muss jeder selbst entscheiden.

Mein Fazit: Windows 7 ist absolut gelungen, es bietet all das, was ich bei Vista vermisst habe, ich bleibe dabei. Trotz allen Verbesserungen: Wer mit Vista bislang zufrieden war, muss sich nicht gezwungen fühlen, zu Windows 7 zu wechseln. Zumal die einzige Möglichkeit, als Nicht-Student jetzt noch für etwa 50 Euro pro Lizenz an das neue Betriebssystem zu kommen, das Windows 7 Family Pack, bei den Händlern vielfach schon ausverkauft ist. Schön wären günstigere Update-Preise für Vista-Nutzer gewesen.

(Saskia Brintrup)

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