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".hiv": Neue Domain für den Kampf gegen AIDS

Der Berliner Verein dotHIV e.V. hat bei der ICANN den Antrag auf die neue Domain-Endung ".hiv" eingereicht. Diese soll ein innovatives Spendenkonzept zur AIDS-Bekämpfung etablieren und die Web-Gemeinde für das Thema HIV sensibilisieren.

Internet© Anterovium / Fotolia.com

Nach sechswöchiger Zwangspause steht das Registrierungsverfahren für die neuen Top Level Domains (newTLDs) kurz vor dem Abschluss. Eine Liste mit sämtlichen Bewerbern und beantragten Adressendungen wird aller Voraussicht nach Anfang Juni veröffentlicht. Darauf zu finden sein werden nicht nur die Namen unzähliger Firmen, Städte, Regionen und Marken, sondern auch das Kürzel .hiv. Was zunächst wie ein makaberer Scherz anmutet, hat einen ernsten Hintergrund: Die Berliner Initiative dotHIV will die weltweit erste gemeinnützige Domain dafür verwenden, Spenden zur AIDS-Bekämpfung zu sammeln. Wie die bekannte Rote Schleife soll .hiv ein Zeichen setzen – als spezifisches Symbol für das digitale Zeitalter.

.hiv-Websites als Symbol sozialen Engagements

Die Idee dahinter setzt sowohl auf die Mitwirkung der Wirtschaft als auch der Internetnutzer. Das Prinzip: Unternehmen registrieren eine .hiv-Adresse zusätzlich zur ihrer regulären Domain, etwa .com oder .de. Diese fungiert entweder als einfache Weiterleitung auf die eigentliche Website oder kann beispielsweise für eigene Kampagnen genutzt werden. Das für die Nutzung der .hiv-TLD gezahlte Entgelt fließt in einen zentralen Fond.

Pro Jahr und Domain seien dabei voraussichtlich etwa 125 bis 150 Euro an die Registrare zu zahlen, wovon nach Abzug von Provisionen und eigenen Kosten rund 100 Euro als reine Spendensumme übrig blieben, erklärte dotHIV-Vorstandsvorsitzende und Mitgründerin Carolin Silbernagl gegenüber onlinekosten.de. Wunschziel sei, eine hohe Anzahl der Domains auszugeben und die Öffentlichkeit sowie vor allem Jugendliche durch die Präsenz der Adressen gleichzeitig wieder stärker für die Thematik AIDS und HIV zu sensibilisieren. Beteiligte Firmen profitierten hingegen von der werbewirksamen Online-Präsentation ihres sozialen Engagements.

Spendenverteilung erfolgt durch die Nutzer

Die Verteilung der Spenden erfolgt allerdings nicht direkt, sondern stufenweise, um auch die Internetnutzer in den Spendenprozess zu involvieren. Dies geschieht einerseits über die symbolische Freigabe der vorhandenen Mittel durch den Besuch von hiv-Domains. Wird eine solche Website aufgerufen, landet automatisch ein vorbestimmter Mikro-Betrag in einem zweiten Spendentopf, der als Grundlage für die Finanzierung von Projekten dient. Wie hoch die einzelne Spende jeweils ausfällt, entscheidet dotHIV anhand der Menge aller verfügbaren Gesamtmittel. Anschließend ist die Web-Gemeinde im Rahmen eines Crowd-Voting-Verfahrens aufgerufen, gemeinsam darüber abzustimmen, wem Geld zugute kommen soll. Die Wahl selbst findet auf einer zentralen Internet-Plattform statt, auf der sich Organisationen um Spenden bewerben können. Für einen ordnungsgemäßen Ablauf soll dabei ein unabhängiges Experten-Gremium sorgen, dass alle Aktivitäten überwacht, eigene Vorschläge einbringt sowie die Seriosität der Kandidaten sicherstellt.

Die Anschubfinanzierung von dotHIV in Höhe von 400.000 Euro stammt von verschiedenen privaten Geldgebern, die jeweils mindestens 25.000 Euro investierten. Eine Rendite erhalten sie dafür nicht, betonte Silbernagl im Gespräch mit unserer Redaktion. Die übrigen Mittel liefern ein Förderkredit und die Gründer selbst. Allein rund 140.000 Euro (185.000 Dollar) verschlang dabei der am 25. Mai eingereichte ICANN-Antrag. Zusätzliche Unterstützung kommt von verschiedenen nationalen und internationalen Kooperationspartnern, die dotHIV bei der Realisierung der Initiative begleiten. "Wir sind selbst überrascht, wie ausgesprochen positiv des Feedback zu dem Projekt bisher ausfällt", sagte Silbernagl. Erste Domains sind aufgrund des noch laufenden Zulassungsverfahrens frühestens ab 2013 verfügbar. Eine unverbindliche Vorabregistrierung ist allerdings bereits möglich. Unternehmen, die sich engagieren wollen, finden weitere Informationen und Kontaktadressen auf der (englischsprachigen) dotHIV-Homepage.

(Christian Wolf)

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