Zahlungssysteme
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Zahlungssysteme: Vom Bargeld zum Handypayment

Die Liste der bargeldlosen Zahlungssysteme ist lang, und sie wird noch viel länger, wenn man die Modelle hinzuzählt, die sich nicht durchsetzen konnten. Ein kleiner Rückblick auf gescheiterte Projekte.

Ob nun der Parkschein-, Zigaretten- oder Getränkeautomat oder der Postbote an der Haustür, der uns ein Paket per Nachnahme bringt: Sie alle möchten Bares von uns. Doch wir haben entweder zu wenig davon oder nichts passend. So suchten geplagte Menschen schon früh nach Alternativen. Doch seit der Kreditkarte, mit der Käufer bereits seit den 50er Jahren ihre Rechnungen bezahlen können, schaffte kaum ein System den Durchbruch.

Auch die meisten Onlineshops akzeptieren Zahlungen per Kreditkarte. Viele Käufer scheuen sich jedoch vor der Preisgabe ihrer Kartendaten und haben Angst vor Betrug. Andere besitzen gar keine Kreditkarte und möchten auch keine. So zahlen sie im Internet wie im Versandhandel: per Nachnahme, Lastschrift, Vorauszahlung oder auf Rechnung. Waren werden online gekauft, aber offline bezahlt. Unternehmen basteln seit Jahren an online-basierten Zahlungssystemen, von denen sich jedoch bisher nur wenige durchsetzen konnten.

Worauf es ankommt

Dabei sind die Anforderungen an digitale Zahlungssysteme recht klar. Der Kunde wünscht sich in erster Linie Sicherheit, aber auch eine gewisse Verbreitung des Systems. Zudem sollte es einfach und schnell bedienbar sein und möglichst ohne zusätzliche Soft- oder Hardware funktionieren. Der Verbraucher legt außerdem Wert auf niedrige Gebühren beziehungsweise möchte für das Bezahlen keine zusätzlichen Kosten tragen müssen. Auf Seiten des Händlers stehen die Vermeidung von Zahlungsausfällen und Missbrauch im Vordergrund. Geringe Gebühren und eine hohe Verbreitung sind auch für ihn wichtig.

Elektronische Münzen und virtuelle Geldbörsen

Das Homebanking inklusive Online-Überweisung ist eine der Möglichkeiten, die es geschafft hat. Der Siegeszug dieser Methode beruht größtenteils auf dem Vertrauen in die jeweilige Bank. Trotzdem waren es ausgerechnet die Banken, deren Versuche, neue Zahlungssysteme zu etablieren, kläglich scheiterten. Im Jahre 1997 unternahm die Deutsche Bank mit ihrem Zahlungssystem eCash einen Pilotversuch. Das System beruhte auf einer so genannten Wallet-Software (zu Deutsch: Geldbörse), die der Nutzer auf seinem PC installieren musste. Kunden konnten reales Geld in elektronisches Guthaben eintauschen, das in dem Wallet aufbewahrt wurde. Mit diesen elektronischen Münzen sollten die Käufer vor allem kleinere Beträge bezahlen. 2001 musste eCash jedoch eingestellt werden, da nicht genügend Händler dieses System für ihre Kunden anbieten wollten und sich somit auch wenig Kunden dafür begeistern konnten.

CyberCash und GeldKarte

Genauso erging es auch der Frankfurter CyberCash GmbH mit dem gleichnamigen Zahlungssystem. Wie bei eCash gab es auch hier ein Wallet mit elektronischen Münzen. Die Commerzbank, Dresdner Bank, HypoVereinsbank und Postbank sowie mehrere Sparkassen und Landesbanken waren an CyberCash beteiligt. Ende 2000 stellte das Unternehmen den Service ein. Der Grund: Auch hier zeigte niemand reges Interesse am innovativen Bezahlen.

Diese Verfahren beachteten ein wichtiges Detail: Der Service war für den Kunden kostenlos, die Gebühren trugen die Händler. Aber das Kriterium der Einfachheit wurde nur bedingt erfüllt. Viele Käufer fanden das Installieren der Software und den darauf folgenden Registrierungsprozess zu umständlich.

Fast jeder hat sie: die GeldKarte

Das System mit aufladbaren Karten ist für den Kunden einfacher. Nach Pilottests im Jahre 1996 werden seit 1997 ec-Karten der Banken und Sparkassen mit einem Mikrochip versehen, der es ermöglicht, Guthaben auf die Karte zu laden. Mit diesem Guthaben können Besitzer der sogenannten GeldKarte anschließend unter anderem an Automaten bezahlen. Praktisch ist, dass so gut wie jeder die Bankkarte in seiner Geldbörse ständig bei sich hat. So entfällt die lästige Suche nach dem passenden Kleingeld, ohne dass der Verbraucher umdenken muss. Mittlerweile sind fast drei Viertel der Kunden- und ec-Karten mit dem Chip ausgestattet und insgesamt rund 74 Millionen solcher Karten im Umlauf. Neben der Anonymität beim Einkauf sind auch Jugendschutzmechanismen mit der Karte möglich, sie kommen seit 2007 an Zigarettenautomaten zum Einsatz. Seit dem 1. Januar 2009 dient sie beim Zigarettenkauf am Automaten als Prüfung, ob der Käufer schon 18 Jahre alt ist.

Außerdem können die Nutzer mit der GeldKarte seit 2002 im Internet bezahlen. Für die Kunden jedoch weniger erfreulich ist die Tatsache, dass sie dazu gesonderte Hardware benötigen, da die Karten eingelesen werden müssen. Dazu ist ein Cardreader (Kartenlesegerät) erforderlich. Auch aufgrund der übersichtlichen Zahl der Händler, die die Zahlung per GeldKarte anbietet, kommt der Einsatz im Internet nicht recht voran.

Paybox: holpriger Weg zum Handypayment

Was hat man außer dem Portemonnaie immer dabei? Richtig, das Handy. Wie bereits berichtet, startete im Mai 2000 eine Zahlungsmethode für Mobiltelefone. Das System "Paybox" wurde von der paybox.net AG in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank AG, die mit 50 Prozent an der Aktiengesellschaft beteiligt war, entwickelt. Ende 2002 zog sich der Investor Deutsche Bank zurück und daraufhin stellte Paybox im Januar 2003 das Privatkundengeschäft in Deutschland ein. In Österreich lief das Geschäft ungehindert weiter. Im Juni meldete sich Paybox plötzlich mit einem neuen Partner, Moxmo, zurück. Der nächste Rückschlag folgte auf dem Fuße. Im Herbst 2004 verabschiedete sich auch Moxmo.

Bezahlen per Handy in Deutschland

Aber wie sieht es auf dem deutschen Markt aus? T-Mobile versuchte sich mit einer Mischung als Wallet und Handypayment. Der Service namens "Mobile Wallet" ermöglichte den Kunden via WAP im Internet einzukaufen. Die Bezahlung erfolgte dann am Ende über die Kreditkarte oder das eigene Bankkonto. Im April 2005 wurde dieses System jedoch wieder eingestellt. Eigenständige Anbieter, die anschließend versuchten, in Deutschland versuchen, Fuß zu fassen, waren Crandy und Luupay. Beide zogen sich jedoch 2009 vom Markt zurück. Vodafone und o2 versuchten es mit mpass. Mpass ist jedoch keine Online-Geldbörse, sondern nutzt die Lastschrift zur Zahlung.

Einzel-Angebote: Fahrscheinkauf per Handy

Ansonsten bieten einige Verkehrsbetriebe eigens für ihre Kunden Lösungen zum Fahrkartenkauf per Mobiltelefon an. Dies wollten auch die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) für ihre Kunden bereitstellen und die Rechnung mit dem so genannten HandyTicket ging auf. Nach einer mehrjährigen Projektphase ging das System am 1. April 2008 an den Start. Um ein Ticket kaufen zu können, muss sich der Nutzer zunächst als HandyTicket-Kunde registrieren. Bezahlt wird schlussendlich per Lastschrift, Kreditkarte oder Prepaid-Konto.

Zahlungssysteme: Ein schwieriger Weg

Auch Branchenriesen wie die Mobilfunkanbieter Vodafone, T-Mobile, Orange und Telefónica versuchten sich im Payment-Geschäft. Dazu gründeten sie das Unternehmen Simpay, das 2003 offiziell die Arbeit aufnahm. Die Netzbetreiber hatten sich zur Aufgabe gemacht, bis 2004 auf europäischer Ebene ein gemeinsames Zahlungssystem für Mobiltelefone zu entwickeln und durchzusetzen. Die Zahlungen über die gemeinsame Plattform sollten grenzüberschreitend und unabhängig von nationalen Mobilfunkanbietern funktionieren. Während der Arbeit an diesem Projekt änderte sich jedoch teilweise das Konzept und der Starttermin für das neue Zahlungssystem wurde verschoben. Im Sommer 2005 wurde Simpay schließlich eingestellt.

So erging es auch dem Projekt MobilBank. Im Jahre 2001 durch die MobilCom AG und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ins Leben gerufen, sollte die Bank Handynutzern neben dem mobilen Bezahlen auch einen mobilen Wertpapierhandel ermöglichen. Ein Jahr später stellten die Gründer das Vorhaben jedoch wieder ein.

Die Liste der gescheiterten Zahlungssysteme ist hiermit jedoch noch nicht zu Ende. Interessant ist die Frage: Wer konnte sich überhaupt durchsetzen und wer schafft in Zukunft den Durchbruch? Zu den in Deutschland bekanntesten und meist genutzten Systeme zählen unter anderem Click&Buy von Firstgate und der Bezahlservice Paypal des Onlineauktionshauses eBay. 2006 startete auch der Suchmaschinenriese Google einen Bezahldienst mit Namen Google Checkout. Dieser ist jedoch nur in den USA und in Großbritannien verfügbar.

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