Ratgeber

3D Ratgeber - So kommen 3D Filme ins Wohnzimmer

3D ist mitlerweile überall: Egal ob 3D Kino, Spiele, Fernseher oder Beamer - ohne 3D-Brille geht nichts mehr. Wir zeigen, wie es funktioniert.

3D Fernseher© Mrkvica / Fotolia.com

Gerade setzt sich HD in vielen Haushalten durch, der immer besseren Versorgung mit hochaufgelöstem Bildmaterial sei Dank, und kaum ist alles auf den neuen Standard umgerüstet, da beglücken uns die TV-Hersteller schon mit neuen Errungenschaften. Jetzt muss es nicht nur hochauflösend, sondern auch dreidimensional sein. Während bei der Einführung von HD zumindest noch der Standard HD Ready für einigermaßen klare Verhältnisse im Elektronikmark sorgte, gestaltet sich die Sache bei der 3D-Darstellung schon etwas komplizierter. Unsere Redaktion bringt Licht ins Dunkel und zeigt alle Möglichkeiten in die dritte Dimension einzutauchen und welche Stolpersteine dabei zu beachten sind.

Revival der Pappbrille

Die anaglyphe Technik ist die wohl bekannteste Möglichkeit, dem Gehirn ein dreidimensionales Bild vorzugaukeln. Trotz ihres Alters hat auch dieses technische Verfahren im Zuge des neuen 3D-Wahns ein kleines Revival erfahren. Die Anzahl von Blu-ray-Discs im anaglyphen Format, die dann auch meist die entsprechende Papp-Brille (in der Regel Rot-Cyan) beinhalten, ist allerdings überschaubar. Um einige zu nennen: Die Neuauflagen von "Reise zum Mittelpunkt der Erde" oder "My Bloody Valentine".

Anaglyphe 3D BrilleMit der neuen Generation der 3D-Technik gehören Pappbrillen endgültig der Vergangenheit an. © Onlinekosten.de

Das Verfahren klappt mit jedem Fernseher/Monitor und einer sehr günstigen anaglyphen Brille, die es ab und an als Zeitschriftenbeilage oder aber für kleines Geld beim Optiker und im Versandhandel zu kaufen gibt. Dem stehen leider auch zwei nicht unerhebliche Nachteile gegenüber: Der 3D-Effekt fällt sehr schwach aus, zudem sind die Farben verfälscht.

Wer trotzdem neugierig geworden ist und eine passende Brille zur Hand hat, kann den Stereoscopic Player ausprobieren . Auf der Website stehen eine eingeschränkte Testversion und diverse Videos im anaglyphen Format zur Verfügung.

Eine weitere Möglichkeit, falls kein 3D-Fernseher oder Monitor vorhanden ist, bietet die Software TriDef 3D Experience, die Fotos, (DVD)-Filme und sogar Spiele (mehr dazu später) in Echtzeit in stereoskopische Bilder verwandeln kann. Dafür steht für herkömmliche Bildschirme das anaglyphe Format zur Verfügung, für 3D-fähige Bildschirme liefert die Software weitere Optionen. Der Hersteller stellt für 14 Tage eine Testversion zur Verfügung, danach werden 49,99 US-Dollar, also knapp 38 Euro, fällig. Auch Power DVD 10 kann Videos und DVD-Filme in Echtzeit dreidimensional darstellen und darüber hinaus 3D Blu-rays wiedergeben.

Neues Kinoerlebnis dank 3D

Das Mammut Filmprojekt Avatar hat der Kinowelt neue Impulse gegeben. Keine große Kinokette verzichtet mehr auf das lukrative Geschäft mit der dritten Dimension. Für 3D-Vorstellungen werden teils üppige Preisaufschläge verlangt um die teure Umrüstung schnell zu refinanzieren. Im 3D Kino werden unterschiedliche Techniken verwendet, wie zum Beispiel Real 3D. Diese kommen zwar mit einer günstigen Polfilterbrillen aus, dafür wird für den Kinobetreiber eine neue Leinwand fällig.

Die XpanD genannte Technik funktioniert auch mit herkömmlichen Leinwänden. Allerdings müssen hier die teureren Shutterbrillen verwendet werden. Weitere Techniken stellen MasterImage und Dolby 3D dar.

"Echtes" 3D im Wohnzimmer

Derzeit verüfgt pratkisch jeder Fernseher über eine 3D-Funktion. Der früher übliche Aufpreis für entsprechende Modelle wird nicht mehr fällig.

Der Flachbildfernseher steht, der Blu-ray Player zeigt Filme im HD-Format. Endlich angekommen in der schönen, hochaufgelösten Fernsehwelt. Aber nicht beim 3D Fernsehen: Wer Glück hat, kann sein kürzlich erworbenes Hightech-Equipment gleich wieder verkaufen. Erstkäufer schauen in die zweidimensionale Röhre. Eindrucksvolles 3D Fernsehen für das Wohnzimmer bietet derzeit nur die Kombination aus 3D Fernseher samt kompatibler Shutterbrille, 3D Blu-ray-Player und eine 3D Blu-ray. Der 3D Effekt wird dank der neuen Shutterbrillen deutlich sichtbar, die Farben werden nicht verfälscht. Leider schlucken die Shutterbrillen, ähnlich wie eine Sonnenbrille, das Licht. Das Fernsehbild kann also je nach Gerät etwas dunkel wirken. Im Normalfall versuchen die Fernsehhersteller aber dieses Problem mit einer erhöhten Grundhelligkeit auszugleichen. Ein weiterer Nachteil ist das begrenzte Sichtspektrum: Wer den Kopf etwas schräg hält, kann den 3D Effekt unter Umständen nicht mehr wahrnehmen. Ausgiebiges Lümmeln auf der Couch entfällt also.

Preise für 3D Fernseher

Bislang sind 3D Fernseher noch in der Unterzahl, auch preislich fallen sie etwas teurer aus als ihre zweidimensionalen Kollegen. Ausschlaggebend ist die erhöhte Bildwiederholungsrate, die zur flimmerfreien 3D-Darstellung mindestens 120 Bilder pro Sekunde betragen muss. Ein Samsung LE40C750 101 cm (40 Zoll) kostet rund 900 Euro (Stand 11/2010), ohne 3D-Feature kostet der Samsung LE40C650 mit 40 Zoll Bildschirmdiagonale etwa 600 Euro. Die Heimkino-Königsklasse, 3D fähige Beamer wie beispielsweise der Acer H5360 (ca. 550 Euro), sind derzeit noch Mangelware, kommen aber vermehrt in den Handel

3D Blu-ray Player wie der Sony BDP-S470 3D oder der Samsung BD-C590 sind ab etwa 160 Euro zu haben. Die Playstation 3 von Sony bietet seit dem Firmware Update auf Version 3.50 ebenfalls die volle 3D Unterhaltung. Mit 299 Euro bleibt Sonys Konsole so weiterhin eine Blu-ray-Option, falls zusätzlich noch der Kauf einer Spielkonsole geplant ist.

Für jeden Zuschauer wird auch Zuhause eine Shutterbrille fällig, die gerne 70 bis 120 Euro pro Stück kosten kann. Obendrein sind die Shutterbrillen der verschiedenen Hersteller nicht kompatibel untereinander. Auch Nvidias Shutterbrille funktioniert derzeit mit nur einem TV-Hersteller (Mitsubishi), bietet dafür aber Unterstützung für 3D Beamer von Acer, NEC, Optoma, Sanyo und Viewsonic. Zudem verfolgen die Hersteller zwei mögliche Ansätze, um die Shutterbrille mit dem 3D Fernseher zu synchronisieren. So verwenden Nvidia, Samsung und Sony für die Synchronisation der Brille mit dem TV einen externen Sender, während 3D Brillen für DLP-Beamer (Acer 3D Shutterbrille und die X-102) mit Hilfe eines - im Bild nicht sichtbaren - Weißblitzes synchron gehalten werden.

Zur Zeit hat Nvidia in diesem Bereich einen Vorteil bei der Kompatibilität. So verträgt sich die Acer Brille nur mit einem entsprechenden DLP Beamer (Acer H5360). Das Nvidia Vision Kit Acer GD245HQbid kann sowohl den Acer Beamer als auch den Acer 3D-Monitor GD245HQbid betreiben. Für die "normalen" 3D Fernseher der Konkurrenz werden allerdings weiterhin zusätzliche Sehhilfen fällig.

3D am PC

Die 3D Brille ist im PC-Bereich bereits mehrfach in Erscheinung getreten, aber aufgrund technischer Mängel und fehlender Software-Unterstützung nie richtig in Fahrt gekommen. Nvidia ist mit der neuen 3D-Welle gerade zur richtigen Zeit auf den Zug aufgesprungen. Das entsprechende System "3D Vision" existiert schon seit Anfang 2009, der Support durch neue Spieletitel ist also inzwischen reichlich vorhanden. Immer mehr Hersteller setzen auf die zusätzliche Zugkraft der dritten Dimension. Dass Blockbuster-Titel wie Call of Duty - Black Ops die Technik unterstützen, unterstreicht das Potential.

Nvidia 3D VisionNvidias Rechnung geht bislang auf: Die Unterstützung für das 3D Vision Kit kann sich sehen lassen. © Nvidia

Eine Liste mit Spielen, die das Vision Kit unterstützen, findet sich auf der Nvidia Website. Das 3D Vision Kit, bestehend aus 3D Brille und Empfänger, kostet etwa 120 Euro. Eine leistungsstarker PC mit mindestens einer schnellen GeForce 8 Grafikkarte ist Grundvoraussetzung. ATI Nutzer blieben lange außen vor, jetzt zieht Nvidias Konkurrent mit HD3D nach. Fast alle Modelle der neuen 5er und 6er Generation tragen das entsprechende Logo. Allerdings sind nur die Spitzenmodelle HD 6850 und HD 6870 in der Lage auch 3D Blu-rays abzuspielen. Eine Übersicht, welche Bildschirme und Grafikkarten unterstützt werden, liefert AMD auf dieser Website.

Die bereits erwähnte Software TriDef bietet die Möglichkeit, hunderte Spiele auch ohne 3D Brille und 3D Fernseher dreidimensional zu sehen, vorausgesetzt man begnügt sich mit dem anaglyphen Verfahren. Im Test konnte der 3D-Effekt trotz Uralt-Technik überzeugen.

Die Auswahl an 3D-fähigen Computer-Monitoren steigt stetig, die großen Hersteller wie Acer, Samsung und LG bieten alle entsprechende Geräte. Ein 22-Zöller ist beispielsweise für etwa 240 Euro zu haben.

3D Blu-ray-Laufwerke für den PC sind noch Mangelware. Einer der ersten Vertreter ist zum Beispiel das externe 3D Blu-ray-Laufwerk BP3D-PI6U2-BK vom Hersteller Buffalo. Auch andere bekannte Hardware wird für die 3D-Zukunft gerüstet: 3D-Notebooks mit Brille, wie zum Beispiel das Acer Aspire 5745DG oder Asus G53JW, sind bereit für den mobilen 3D-Genuss und schon im Handel.

3D Spiele für Xbox 360 und Playstation 3

Besitzer einer Playstation 3 können sich bei neueren Titeln wie Gran Turismo 5 über standardmäßigen 3D-Support freuen. Auch Xbox 360 Besitzer kommen in den Genuss von 3D, eines der ersten Spiele stellte Call of Duty: Black Ops dar. Voraussetzung für das 3D-Erlebnis ist bei beiden Konsolen natürlich auch hier ein 3D Fernseher samt Shutterbrille.

Nachteile der neuen 3D-Wahrnehmung

Ein Nachteil der 3D-Unterhaltung sind eventuell auftretende körperliche Auswirkungen. Die veränderte Wahrnehmung kann bei manchen Menschen zu Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit führen. Andere wiederum haben zwar keine Beschwerden, können den 3D-Effekt aber nur schlecht oder gar nicht wahrnehmen. Mittlerweile haben auch die Hersteller das Problem erkannt und versuchen sich – zumindest rechtlich - abzusichern. So gibt Sony Gesundheitshinweise im Umgang mit 3D-Medien. Studien sind bislang noch Mangelware, eine Untersuchung der Organisation "The Eyecare Trust" gibt an, dass etwa 12 Prozent aufgrund einer Sehschwäche Probleme mit dem 3D-Effekt haben. Weitere Informationen stellt der Berufsverband der Augenärzte auf seiner Website zur Verfügung.

Zukunftsaussichten: 3D ohne Brille

Nintendo DSKleiner Revolutionär: Der Nintendo 3DS erlaubt eine 3D-Darstellung ohne Sehhilfen.© Nintendo

Die Zukunft: Die Hersteller arbeiten unter Hochdruck an neuen Möglichkeiten, den 3D-Effekt auch ohne zusätzliche Brillen sichtbar zu machen. Das erste Produkt, das dieses Kriterium erfüllt, wird aller Voraussicht aus dem Hause Nintendo stammen. Der Nintendo 3DS bieten einen in mehreren Stufen regelbaren 3D-Effekt - ganz ohne Brille. Erste Eindrücke auf diversen Fachmessen lassen auf ein echtes Highlight hoffen. Bereits im März 2011 soll Nintendos neuester Streich in Europa erhältlich sein, als Preis nannte das Unternehmen bislang nur den japanischen Preis von 25.000 Yen, was zurzeit etwa 220 Euro entspricht.

Die Fernsehhersteller tüfteln bereits erfolgreich an größeren Bildschirmen, die ohne Brille funktionieren. Toshiba stellte Ende 2010 entsprechende Fernseher vor, auch wenn diese mit maximal 20 Zoll für rund 2.100 Euro zur Einführung auf den japanischen Markt eher auf zahlungskräftige Technikfans zielen.

Fazit

Wie bei jeder neuen Technik fällt auch der Einstieg in die 3D Welt kostspielig aus. Wer sowieso einen neuen, hochwertigen Fernseher anschaffen will und über den passenden Blu-ray Player verfügt, kann sich die 3D-Modelle genauer anschauen - vorausgesetzt der 3D-Effekt gefällt. Ein Umsteigen auf ein 3D-TV ist derzeit noch nicht nötig. Die gleiche Einschätzung trifft auch auf 3D Spiele zu. Wem die andere Wahrnehmung allerdings zusagt, der findet mit Nvidias 3D Vision Kit eine ausgereifte und etablierte Lösung, wie AMD sein HD3D in Zukunft präsentiert, bleibt abzuwarten. Die jetzige 3D-Lösung wird ein Nischenprodukt für Technikfans bleiben, Hauptproblem ist und bleibt die dafür benötige 3D Brille und die damit verbundenen Komforteinschränkungen.

Die nächste Chance bieten die bereits erwähnten 3D Fernseher und Monitore, die ohne Spezialbrille auskommen. Bis diese in Bezug auf Größe und Preis massenkompatibel sind, dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Doch auch hier beruht der Effekt auf einer Täuschung der Wahrnehmung, der gesundheitliche (negative) Aspekt wird also weiter eine Rolle spielen.

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