Virtual Reality

Virtuelle Realität günstig ausprobieren: VR-Brille ab 4 Euro selbst basteln

Durch den baldigen Release der Oculus Rift und Co. rückt die virtuelle Realität auch für den Endverbraucher in greifbare Nähe. Wer der virtuellen Realität jetzt schon einen Besuch abstatten will, kann für wenig Geld einsteigen und eine VR-Brille selbst basteln.

Google CardboardDas Original Google Cardboard aus Pappe, Nachbauten der einfachen VR-Brille lassen sich günstig selbst basteln.© Google

Mit dem kommenden Start von Oculus Rift und HTC Vive respektive Steam VR schwappt das Thema Virtual Reality mittlerweile auch in Bereiche, die nicht nur von Technik-Geeks dominiert werden. Höchste Zeit also, ein wenig mit der virtuellen Realität zu experimentieren.

VR-Brille selbst basteln

Wie Google mit seiner Cardboard-VR-Brille bereits bewiesen hat, muss es dabei gar nicht unbedingt High-End-Hardware sein, um Virtual Reality einmal auszuprobieren. Ein wenig Pappe, zwei Linsen und im Idealfall noch ein Haltegurt, um das ganze Konstrukt am Kopf zu befestigen, reichen bereits für eine Billigvariante aus. Außerdem ist noch ein Smartphone mit Gyroskop und einem Display zwischen 4 und 6 Zoll erforderlich, das als VR-Bildschirm dient und in die Brille einfach eingelegt wird.

Der aktuelle Kostenpunkt für Nachbauten von Cardboard zum selbst basteln für ein 5-Zoll-Smartphone fängt bei Händlern wie Amazon bei derzeit 4,29 Euro an. Der Zusammenbau ist auch von ungeübten Bastlern zu bewerkstelligen. Vorgefertigte Modelle kosten etwas mehr, stabile Varianten aus Plastik gibt es bereits ab 15 Euro. Das empfehlenswerte Original von Google kostet mit NFC-Chip derzeit 14 Euro. Mit Hilfe des Chips startet die dazugehörige App "Google Cardboard" beim Einlegen eines NFC-fähigen Smartphone automatisch, zwingend erforderlich ist NFC allerdings nicht. Ganz Mutige können sich mit Hilfe des Bauplanes auf google.com/cardboard die Pappbrille auch selber basteln, dort lassen sich auch andere Versionen finden und bestellen.

Zusätzlich verfügt die Brille über einen Magnet-Schalter an der Seite, der für einfache Interaktionen in der Spielwelt, wie zum Beispiel dem Öffnen einer Tür dient. Dies funktionierte mit dem von uns verwendeten Nachbau von "Andoer" allerdings nicht mit allen Geräten in der Praxis. Das Honor 6C von Huawei ließ sich beispielsweise nicht zur Kooperation überreden. Die neue offizielle Version, die Google auf der I/O 2015 vorgestellt hat, soll sich laut dem Unternehmen aber mit jedem Smartphone verstehen.

Mindestens 720p erforderlich

Zudem sollte das Smartphone noch mindestens eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln aufweisen, sonst wird das Pixelraster (Fliegengitter-Effekt) doch zu deutlich sichtbar. Mit einer Full-HD-Auflösung lassen sich bereits ansehnliche Ergebnisse erzielen. Zum Vergleich: Samsung verwendet für seine VR-Brille Gear das Galaxy Note 4 mit einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln. Systeme wie Oculus Rift und HTC Vive/Steam VR setzen auf ein separates Display pro Auge mit jeweils 1.080 x 1.200 Pixeln.

Empfehlenswerte VR-Apps

Mittlerweile gibt es tonnenweise Android-Apps für Googles Cardboard, hier eine kleine Auswahl an lohnenswerten Titeln. Alle Apps sind natürlich kostenlos. Cardboard funktioniert auch mit dem iPhone, auch die Cardboard App ist für das Apple-Smartphone erhältlich. Einige der hier vorgestellten Apps lassen sich auch in Apples App-Store finden

Ausflug in die Toskana

Am bekanntesten dürfte wohl die "Tuscany"-App sein, die Oculus zu Beginn als erste "richtige" Tech-Demo vorgestellt hat. Wie der Name schon vermuten lässt, befindet sich der "Spieler" nach dem Start der Anwendung in dem Garten eines Hauses, das - wie der Name vermuten lässt - in der Toscana angesiedelt ist, Meerblick inklusive. Man bewegt sich automatisch durch das Geschehen, ein Blick nach unten lässt den Ausflügler aber stehenbleiben – so lässt sich die Aussicht genießen.

Jurassic Park light

Die App "Jurassic VR" bietet zwar eine schlichtere Grafik und anhalten ist ebenfalls nicht möglich, dafür läuft die App auch auf schwächeren Smartphones flüssig, was für die Immersion, der Identifikation mit einer Person in der virtuellen Welt, unerlässlich ist.

Fahrt auf der Rennstrecke

Auch Mercedes ist mit der VR-App "Mercedes VR" vertreten und bietet zwei verschiedene Erfahrungen. In der ersten Demonstration geht es auf dem Beifahrersitz mit Vollgas über eine Rennstrecke, der zweite Ausflug führt im Silberpfeil über Landstraßen.

Horror VR-Apps

Beim Horror-Spiel "The Room" kann der Spieler aktiv mit Hilfe des Magnetschalters eingreifen und so zum Beispiel Türen öffnen. Ebenfalls empfehlenswert, aber nur für starke Nerven ist "Insidious VR".

Virtuelle Achterbahnfahrt

Eine Fahrt in der Achterbahn bietet sich natürlich an. Hier stehen diverse Apps wie "Roller Coaster VR" oder auch "VR Roller Coaster" zur Verfügung.

VR-Kino-Apps – Allein im virtuellen Kinosaal

Recht beeindruckend wirkt auch der Besuch in einem virtuellen Kinosaal in dem man komplett alleine sitzt, freie Sitzwahl inklusive. Die Leinwand erscheint durch den virtuellen Raum tatsächlich riesig. Der Play Store bietet hierzu unter anderem Apps wie "Cine2GO" oder "Cineveo".

VR-Filme - Monsterkampf in Tokio

Abseits der VR-Apps und -Spiele sind auch die VR-Filme interessant. Während des Sirenengeheules bei "Kaiju Fury: Sundance Selection" mitten im Geschehen von Tokios Nachtleben zu stehen, während sich zwei haushohe Monster über die Stadt hermachen, ist ebenso simpel wie spaßig. Der Film lässt sich neben vielen anderen über die App "Jaunt VR" finden, die auch gleichzeitig als Videoplayer dient. Einen Überblick findet sich auf jauntvr.com/content, noch mehr Filme gibt es auf der Website vrcircle.com.

Was bringt 2016 im Bereich VR?

Seit dem 6. Januar kann die Oculus Rift für 699 Euro vorbestellt werden, die Auslieferung soll Ende März beginnen. Zudem soll die VR-Brille im April auch in den Einzelhandel kommen. Die Anforderungen an den heimischen PC sind allerdings nicht zu verachten. Wer überprüfen will, ob sein Rechner genug Leistung hat, kann das mit Hilfe des "Oculus Rift Compatibility Tool" testen.

Ende April soll die VR-Brille HTC Vive/Steam VR erhältlich sein, ein Preis steht noch nicht fest. Es wird aber davon ausgegangen, dass dieser über dem der Oculus Rift liegen wird.

Auch Sony will ein Stück vom VR-Kuchen und bringt für seine Konsole mit der Playstation VR ebenfalls eine Virtual-Reality-Brille. Die Japaner planen den Release für das erste Quartal, der Preis soll bei 300 bis 400 Dollar (275 bis 366 Euro) liegen.

Marcel Petritz

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