Ratgeber

Zahlungssysteme: Sicher im Internet bezahlen

Einer Umfrage zufolge hat im vergangenen Jahr bereits jeder sechste Nutzer ein Internet-Bezahlsystem ausprobiert. Die Mehrheit scheut sich aber noch immer davor. Wir geben Tipps zum sicheren Bezahlen.

Datenaustausch© violetkaipa / Fotolia.com

Wie bezahlen Sie Ihre Einkäufe im Internet? Die meisten Onlineshopper greifen nach wie vor zu klassischen Zahlungsmethoden wie der Überweisung oder Kreditkarte. Andere wiederum sind für ihre Transaktionen schon auf spezielle Online-Bezahldienste ausgewichen. Wie der TÜV Rheinland mitteilt, hat im vergangenen Jahr einer Umfrage zufolge bereits jeder sechste Nutzer ein Internet-Zahlungssystem verwendet. Die meisten bieten den Vorteil, dass der Kunde seine Bank- und Kreditkartendaten nicht mehr jedem x-beliebigen Shop mitteilen muss, sondern nur noch an einer zentralen Stelle: beim Zahlungsanbieter. Aber wie sicher sind derartige Systeme und was sollten Kunden beachten? Wir geben Tipps.

Tipps für sichere Zahlungen

  1. Zusatzfunktionen für mehr Sicherheit: Treuhand-Service und Käuferschutz
  2. Woran erkenne ich seriöse Anbieter?
  3. Geiz mit persönlichen Daten, anonyme Systeme, Sicherheit am PC und Verhalten im Betrugsfall

Alternative Zahlmethoden

Je nach Art des Einkaufs - ob digitale Güter wie E-Books oder Musikdateien, Shoppingtouren bei Online-Händlern oder Geschäfte mit Privatpersonen - unterscheidet sich zum Teil auch die verwendete Zahlungsmethode. Die Universität Karlsruhe, die seit 1998 die Studie Internet-Zahlungssysteme aus Sicht der Verbraucher, kurz IZV, durchführt, kam 2008 zu dem Ergebnis, dass knapp 69 Prozent der Zahlungen zwischen Privatpersonen per Banküberweisung abgewickelt werden. Das von eBay übernommene Zahlungssystem PayPal brachte es immerhin bereits auf 27,4 Prozent. Kürzlich kommentierte der eBay-Firmenchef John Donahoe die Entwicklung der Bezahltochter und sah weiteres Wachstum am Horizont: "PayPal ist stark und wird immer stärker".

Pluspunkte: Käuferschutz oder Treuhandfunktion

Auch der stetige Ehrgeiz des Online-Auktionshauses, PayPal für bestimmte eBay-Nutzergruppen zur Pflicht zu erheben, dürfte seinen Teil zum Erfolg beigetragen haben. Nicht von der Hand zu weisen sind aber auch die Vorteile: Die Zahlung per PayPal ist nicht nur schnell erledigt, sondern verglichen mit einer Banküberweisung auch viel schneller beim Empfänger. Bezahlt wird zwar im Voraus, der Käuferschutz verschafft jedoch Sicherheit. Sollte der bei eBay eingekaufte Artikel von der Artikelbeschreibung abweichen oder die bestellte Ware nicht ankommen, kann eine Beschwerde eingereicht werden, um das Geld zurückzufordern. Auch Käufe außerhalb von eBay sind durch PayPal auf diese Weise abgesichert.

Eine Extraportion Sicherheit bieten auch Treuhandsysteme; Moneybookers und iclear halten entsprechende Optionen bereit. Iclear händigt Verkäufern die Zahlung ihrer Kunden erst dann aus, wenn der Käufer die Ware bekommen hat und auch tatsächlich behält, sprich, nach dem Ablauf der zweiwöchigen Widerrufsfrist.

Extras wie eine Treuhandzahlung sind für die Kundschaft natürlich attraktiv: Unsicherheit und fehlendes Vertrauen in den Anbieter sind der IZV-Umfrage zufolge die häufigsten Gründe für die Ablehnung eines Zahlungssystems. Es bleibt die Frage, wodurch sich ein vertrauenswürdiger Zahlungsanbieter auszeichnet. "Das internationale Zertifikat PCI DSS mit dem Payment Card Industry Security Standard stellt hohe Anforderungen an den Dienstleister. Darauf kann man sich verlassen", sagt der TÜV Rheinland-Experte Michael Sax. Der Standard wurde von fünf Kreditkartenunternehmen wie MasterCard und Visa lanciert, um Regeln für den Umgang mit Transaktionsdaten und Kreditkarteninformationen festzulegen.

Tipps für sichere Zahlungen

  1. Zusatzfunktionen für mehr Sicherheit: Treuhand-Service und Käuferschutz
  2. Woran erkenne ich seriöse Anbieter?
  3. Geiz mit persönlichen Daten, anonyme Systeme, Sicherheit am PC und Verhalten im Betrugsfall

Bekanntheitsgrad und Verbreitung

Starke Partner hat auch das System giropay im Rücken, das gemeinsam von der Postbank, den Sparkassen und den Genossenschaftsbanken entwickelt wurde. Als Vorteil sieht der TÜV, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Bank des Kunden auch für giropay greifen, wenn die Bank das System unterstützt. Die tatsächliche Bezahlung erfolgt ähnlich wie das gewohnte Online-Banking, auch Kontonummer und PIN werden über das übliche Formular eingetragen. Die Abwicklung ist aber komfortabler, da der Online-Überweisungsschein bereits fertig ausgefüllt ist. Genauere Infos gibt es auf unserer giropay-Seite.

Kann das Zahlungssystem keinen bekannten Anbieter vorweisen, hilft ein Blick auf die unterstützenden Shops weiter. Wenn sich dort eine ellenlange Liste namhafter Händler verbirgt und sich die Zusammenarbeit auch tatsächlich überprüfen lässt, steigert das das Vertrauen. Umgekehrt heißt das aber nicht, dass eine Bezahlmethode, die erst von wenigen Onlineshops als Zahlungsservice akzeptiert wird, automatisch schlecht sein muss. Der Markt der Zahlungssysteme bietet ein hohes Wachstumspotenzial und bringt daher häufig neue Anbieter hervor, die mit einem Zielkonflikt zu kämpfen haben: Sowohl die Zahl der unterstützenden Händler als auch die Anzahl der Kunden muss gedeihen, Shops greifen aber gerne zu Systemen mit großem Kundenstamm und Nutzer wiederum bevorzugt zu Bezahlmethoden mit hohem Verbreitungsgrad. Dennoch ist es natürlich wenig sinnvoll, sich für einen Anbieter zu entscheiden, dessen Zahlungsmethode von keinem der in Frage kommenden Shops akzeptiert wird. Daher sollten sich Interessenten mit ihrem Kaufverhalten beschäftigen und prüfen, wo sie bevorzugt einkaufen.

Recherche bei Portalen mit Verbraucherbewertungen

Welche Erfahrungen andere Konsumenten mit einem Anbieter gemacht haben, lässt sich gut auf Bewertungsportalen wie www.dooyoo.de und www.ciao.de oder über Foren in Erfahrung bringen. Weitere Anhaltspunkte für die Beurteilung der Zuverlässigkeit liefern ein Blick ins Impressum und auf die AGB. Sind dort alle erforderlichen Infos aufgeführt? Welche Maßnahmen ergreift der Anbieter, um die Sicherheit zu gewährleisten? Wie geht er mit persönlichen Daten um? Sensible Informationen sollten immer verschlüsselt per https-Protokoll übertragen werden.

Genau wie im Umgang mit sozialen Netzwerken gilt auch bei der Bezahlung im Internet, dass ein gewisser Geiz bei der Herausgabe persönlicher Daten vor unerwünschten Folgen schützen kann. So sollten die im Kundenkonto des Zahlungssystems vorgenommenen Einstellungen genau geprüft werden. Viele Systeme bieten verschiedene Möglichkeiten an, um Geld einzuzahlen. Bei PayPal können Kunden unter anderem bequem per giropay, Lastschrift oder Kreditkarte bezahlen.

Tipps für sichere Zahlungen

  1. Zusatzfunktionen für mehr Sicherheit: Treuhand-Service und Käuferschutz
  2. Woran erkenne ich seriöse Anbieter?
  3. Geiz mit persönlichen Daten, anonyme Systeme, Sicherheit am PC und Verhalten im Betrugsfall

Nicht zu viele Daten preisgeben

Problematisch kann es werden, wenn mehrgleisig gefahren wird: Sollte der Account gehackt werden, könnte der Angreifer auf die verschiedenen Geldquellen gleichermaßen zugreifen und eine stattliche Summe ausgeben. Wer stattdessen immer nur eine eigenhändige Überweisung per giropay vornimmt oder aber vorab Geld vom Bankkonto überweist (Prepaid) und auf die Freigabe zur Lastschrift und die Eingabe von Kreditkartendaten verzichtet, limitiert die verfügbare Summe und somit das Risiko.

Systeme ohne Anmeldung

Neben Bezahlmethoden, die die Eröffnung eines Accounts voraussetzen, existieren auch Systeme, die keine persönlichen Daten oder Kontoinformationen verlangen. Verfahren wie das Cash-Ticket oder die paysafecard basieren wie Handy-Karten auf dem Prepaid-Modell und bieten eine anonyme Bezahlung. Der Kunde kauft einfach eine Karte beziehungsweise einen Gutschein im Handel vor Ort über einen der autorisierten Onlineshops (nur paysafecard) und bezahlt später mit einem Code. Wer im Internet mit der GeldKarte bezahlt, benötigt zwar zusätzliche Hardware, bleibt aber ebenfalls anonym.

Auch der Nutzer trägt Verantwortung

Egal für welches Online-System sich der Kunde für das Bezahlen entscheidet, auch der eigene PC muss gewisse Kriterien erfüllen. "Der Rechner muss frei von Schadsoftware sein", betont TÜV Rheinland-Experte Michael Sax: "Die Anbieter können die Sicherheit der Transaktion immer nur auf ihrer Seite gewährleisten. Dafür, dass auch auf Seiten des Benutzers alles gesichert ist, trägt der Kunde selbst die Verantwortung." Regelmäßige Updates der Antiviren-Software, des Betriebssystems und der Programme wie Browser oder PDF Reader schmälern das Risiko von Sicherheitslücken. Zusätzlich sollten Kunden auf Phishing-Attacken gefasst sein und darauf achten, ihre Zugangsdaten nur auf der Original-Website des Anbieters einzugeben.

Ausloggen, Passwort ändern

Bei solchen Login-Systeme sollte natürlich ein möglichst einfallsreiches und nur für diesen Account gültiges Passwort verwendet werden, das regelmäßig gegen ein neues ersetzt wird. Erst kürzlich ergab eine Forsa-Umfrage, dass 41 Prozent der Deutschen nie ihr Passwort ändern. Besondere Regeln gelten für Logins in Internetcafés oder allgemein auf fremden PCs. Dort sollten weder Kennwörter noch Formulardaten gespeichert werden und zudem ein ordnungsgemäßer Logout erfolgen. Zusätzliche Infos dazu und Tipps zum anonymen Surfen haben wir in einem speziellen Artikel in unserer Ratgeber-Sammlung veröffentlicht.

Beträge zurückbuchen?

Zum Schluss stellt sich noch die Frage: Was kann der Kunde tun, wenn der Onlineshop nicht liefert? Bei einem Treuhand-Service oder dem eBay-Käuferschutz wird an dieser Stelle die Kontaktaufnahme mit dem Zahlungsanbieter fällig. Hier muss in der Regel eine bestimmte Frist eingehalten werden, weshalb der Kunde nicht zu lange warten sollte. Für den Kontakt mit dem Verkäufer haben wir Tipps von freundlichen Anfragen bis hin zur Fristsetzung und Mahnung bereits in unserem eBay-Ratgeber zusammengestellt.

Folgt keine Reaktion oder wird schon früher deutlich, dass es sich bei dem Shop-Betreiber um einen Betrüger handelt, bleibt dem Kunden bei einer Vorauszahlung nur übrig, eine Stornierung des Betrages anzufragen. Bei Moneybookers ist dies zum Beispiel solange möglich, bis die Zahlung auf dem Empfängerkonto eingegangen ist. Daher ist enorme Schnelligkeit gefragt, die in der Praxis bei einem Betrug nicht einzuhalten wäre. Auch bei der herkömmlichen Banküberweisung gilt eine sehr kurze Frist. Lastschriften lassen sich innerhalb einer längeren Zeitspanne zurückgeben, Hinweise dazu erteilt die jeweilige Hausbank. Bei Kreditkartenzahlungen besteht eventuell auch die Möglichkeit, die Zahlung rückgängig zu machen. Visa räumt den Kunden grundsätzlich einen Schutz bei einem Online-Betrug ein, weist aber auch darauf hin, zusätzlich die Bestimmungen der kartenausgebenden Bank zu beachten.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, haben wir außerdem Hinweise veröffentlicht, woran sich unseriöse Händler im Internet erkennen lassen. Am sichersten ist und bleibt in diesem Zusammenhang die Zahlung nach dem Erhalt der Ware: per Nachnahme oder auf Rechnung, wobei die Rechnung auch eine Zahlung für verschickte Steine ausschließt.

(Saskia Brintrup)

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