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Breitband-Special: WiMAX - Kabelloser xDSL-Killer?

WiMAX. Ein Begriff, der die T-Com das Schaudern lehrt. Kaum rollen Pilotprojekte an, baut der magentafarbene Riese überraschend dort sein T-DSL-Netz aus, wo kabellose Konkurrenz droht. Wenn schon Goliath zusammenzuckt, kann man sich vorstellen, welch großes Potential in der WiMAX-Technologie steckt.

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In diesem Special klären wir darüber auf, was WiMAX eigentlich ist, wo mit einem Wireless-LAN auf WiMAX-Basis zu rechnen ist und was für ein großer Stein durch das Wort aus fünf Buchstaben ins Rollen gebracht werden kann, wenn die Provider entsprechend mitziehen. Des Weiteren zeigen wir auf, wie die Deutsche Telekom schon jetzt - vor dem Errichten eines einzigen großflächig aktiven WiMAX-Funknetzes - in Zugzwang geraten ist.

Einführung zu WiMAX

WiMAX, die Abkürzung für "Worldwide Interoperability for Microwave Access" (deutsch: Weltweiter Funktionsstandard für Mikrowellen-Datenübertragung), ist eine Weiterentwicklung der WLAN-Technologie. Da die Reichweite der bisher entwickelten WLAN-Standards stark begrenzt ist, suchte man nach einer Lösung, die eine große Bandbreite auch über eine weite Strecke hinweg bereitstellen kann.

So kam es, dass WiMAX das Licht der Welt erblickte. An der Entwicklung beteiligt waren - und sind immer noch - Unternehmen wie Intel, Alcatel, AT&T, Motorola, Fujitsu, Siemens mobile oder TDK. Das so genannte WiMAX-Forum umfasst momentan insgesamt 119 Firmen. Am Standardisierungsprozess ebenfalls beteiligt ist das Institute of Electrical and Electronics Engineers, kurz IEEE.

Auf einen einheitlichen Standard konnte man sich bisher nicht einigen, der Standardisierungsprozess befindet sich jedoch in der Abschlussphase. Mit der WiMAX-Technologie ist es möglich, über eine Distanz von 50 Kilometern Datenraten von bis zu 70 Mbit pro Sekunde zu realisieren. Eine typische Sendestation nach WiMAX-Standard 802.16 bietet eine Gesamt-Sendeleistung von bis zu 280 Mbit/s. Diese wird unter den einzelnen Teilnehmern aufgeteilt.

Die angegebene Maximal-Reichweite von über 50 Kilometern ist sehr theoretisch. Pefekte Bedingungen müssten gegeben sein, was nur höchst selten der Fall sein wird. Realistischer sind zwei bis drei Kilometer Reichweite bei Indoor-Installation, sowie bis zu zwölftausend Meter bei Outdoor-Installation des Senders. Gehen wir ins Detail. Ein WiMAX-Funknetz funkt in derselben Kategorie wie Handys und Bluetooth-Endgeräte: Im Mikrowellenbereich zwischen 2 und 66 GHz. Dennoch ist die Strahlenbelastung durch WiMAX nicht annähernd mit der von anderen Funk-Endgeräten vergleichbar.

Handys, UKW-Radiosender oder UMTS-Sender belasten die Umwelt durch Strahlung bis zu 10.000 mal stärker, als ein vergleichbares WiMAX-Endgerät. Dies geht aus einer Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aus dem Monat April dieses Jahres hervor. Der IEEE Standard 802.16 ist in viele weitere Standards, passend für jedes Einsatzgebiet, unterteilt. Für Wireless-DSL besonders interessant sind die Standards 802.16a und 802.16REVd.

Ein Breitband-Internet-Zugang über WiMAX wird in den meisten Fällen eine Mischung aus WiMAX- und WiFi-/WLAN-Übertragung sein. Dabei wird eine große Bandbreite über eine weite Distanz per 802.16a-Standard (WiMAX) zu einem Gateway geleitet, dass die zur Verfügung stehende Gesamtbandbreite an diverse WiFi-Sender (802.11-WLAN-Standards) übergibt. Diese Hot-Spots sorgen dann für die Verteilung der über WiMAX transportierten Bandbreite auf die einzelnen Endanwender.

Die genannten Daten lassen auf eine Technik hoffen, die die Faktoren Breitband-Internet, Mobilität und Wirtschaftlichkeit endlich in einem Produkt verbindet. Dass die theoretischen Daten zu WiMAX tatsächlich sehr ernst zu nehmen sind, zeigen die Reaktionen der Festnetzsparte der Deutschen Telekom AG, T-Com.

In den Städten Selm und Schloß Holte-Stukenbrock (kurz, SHS) ist eine (T-)DSL-Versorgung durch die T-Com bisher nicht möglich gewesen. Der Grund: Glasfaserkabel schmücken die unterirdischen Kabelschächte. Mit der Bekanntmachung des regionalen TK-Carriers HeliNet, ein WiMAX-Pilotprojekt in den beiden Städtchen starten zu wollen, erwacht spontan das Interesse des magentafarbenen Riesen an Selm und SHS.

Wie aus heiterem Himmel erhalten alle Bürger aus SHS, die sich in der T-DSL-Interessentendatenbank der T-Com haben eintragen lassen die Information, dass "Schloß Holte-Stukenbrock schon voraussichtlich im Oktober" an das T-DSL-Netz angeschlossen würde. Eine neue Technik mache die Anbindung nun möglich. Das beschauliche Örtchen SHS wird von den T-Com-Planern also mit unwirtschaftlichen Endgeräten zur Realisierung von T-DSL über Glasfaser ausgestattet, während Deutschland noch immer gespannt auf DSL über Glasfaser wartet. Zufälle gibts!

Neben Selm und SHS ist auch in einer weiteren Stadt Breitband-Internet über WiMAX in Planung. So kann sich auch Coburg höchstwahrscheinlich schon bald über eine Internetanbindung per Funk freuen. Auch in Rostock und Köln laufen bereits Feldtests.

In den neuen Bundesländern, dort, wo die Glasfaser vielerorts breitbandige Internetwünsche wie eine Luftblase zerplatzen lässt, sind bisher noch keine öffentlichen Pilotprojekte oder Pläne bekannt. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass spätestens im Laufe der nächsten Jahre, mit der Freigabe neuer WiMAX-Standards, auch im Osten Deutschlands Wireless-DSL seine Verwendung finden wird. Es sei denn, die Deutsche Telekom überdenkt ihre T-DSL-Ausbaupläne und tut endlich auch etwas für die Kunden, die den glasigen Alptraum träumen müssen...

Zu guter Letzt noch ein Dank an die Öffentlichkeitsabteilungen von Alcatel und intel, die sich sehr bemühten, uns mit Informationen zu versorgen.

(Michael Müller)

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