VoIP
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VoIP – Telefonieren übers Internet

Voice over IP, das Telefonieren übers Internet, wird immer beliebter. Viele Festnetzanschlüsse werden schon über VoIP verwirklicht und auch die Telekom plant eine großflächige Umstellung. Was genau hinter der Abkürzung VoIP steckt und wie die Technik funktioniert, lesen Sie hier!

Was ist VoIP?

VoIP (Voice over Internet Protocol) oder Internettelefonie bezeichnet die Übertragung von gesprochener Sprache in Echtzeit über eine Datenleitung. Im Gegensatz zur Festnetz-Telefonie werden hier die akustischen Informationen in einzelne, kleine Datenpakete gewandelt und über den Internet-Anschluss versandt. Das macht die Vermittlung flexibler und benötigt weniger Kapazität, da zusätzliche Komprimierungsverfahren und Filter dafür sorgen, dass die Datenmenge des Gesprächs möglichst klein gehalten wird. So kann dieselbe Leitung auch andere Daten transportieren, etwa weitere Telefonate, E-Mails, Web-Inhalte oder was sich sonst noch in kleine Datenpakete packen lässt.

Über die Vor- und Nachteile von VoIP

Kostenlose oder zumindest günstige Gespräche, weltweit gültige Rufnummern, aber auch schwankende Sprachqualität, bedingt durch die Internetauslastung und mangelnde Ausfallsicherheit, kennzeichnen die Telefonie übers Internet. Fest steht, dass allein die Integration von Sprache und Daten in einem Netz jede Menge Aufwand spart und dabei neue Möglichkeiten bietet. So können VoIP-Nutzer ihren gesamten Informationsaustausch per Computer verwalten. Zudem ist beim Umstieg auf die Internet-Telefonie immer der Kostenvorteil ein wichtiges Argument.

Den Providern entsteht durch die IP-basierte Technik erheblich weniger Aufwand. Dadurch, dass nicht mehr für jedes Gespräch eine exklusive Leitung reserviert werden muss, benötigen die Netzbetreiber weniger Kapazitäten und sparen bares Geld. Viele Provider wie Vodafone oder 1&1 realisieren die Telefonie fast nur noch über VoIP. Auch die Telekom möchte bis 2018 alle Festnetzanschlüsse auf IP-Technologie umstellen.

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Wie VoIP realisiert wird

Bei der herkömmlichen Telefonie wird das Gespräch ohne Komprimierung über eine eigene Telefonleitung versandt. Bei VoIP dagegen wird der Anruf digitalisiert, in Datenpakete unterteilt und so versandt. Auf diese Weise kann eine Leitung für viele Daten gleichzeitig genutzt werden. Je nach Komprimierungsverfahren nimmt ein VoIP-Telefonat etwa 1,2 bis 1,5 Megabyte Datenvolumen pro Minute in Anspruch. Die einzelnen Datenpakete werden beim Empfänger wieder zusammengesetzt und so das Telefonat übertragen. Für dieses Verfahren nutzen die Provider meist zwei verschiedene Protokolle: das SIP-Protokoll oder alternativ H.323.

Erreichbarkeit von VoIP-Anschlüssen

VoIP-Nutzer können ihren Anschluss weltweit nutzen und sind immer und überall erreichbar – zumindest solange sie irgendwie am Internet hängen. Das setzt einen VoIP-fähigen Router und vor allen Dingen Strom voraus. Über den analogen Telefonanschluss ist man ständig, auch bei Stromausfall, erreichbar. Telefoniert man übers Internet, ist man auf Strom und die Internetverbindung angewiesen. So liegt die Versorgungssicherheit bei analogen Anschlüssen bei 99,8, bei VoIP bei 94 Prozent.

Was zur VoIP-Nutzung benötigt wird

Zur VoIP-Nutzung benötigt man in jedem Fall einen Internetzugang mit genügend Bandbreite und einen passenden Tarif. Viele Festnetzanschlüsse laufen heute schon über VoIP, Tendenz steigend. Den Router bzw. die Software, die für die VoIP-Nutzung und die ständige Erreichbarkeit benötigt werden, erhält man meist vom Anbieter selbst. In einem solchen Fall spricht man von der Hardware-Lösung. Für die Internettelefonie muss kein gesondertes Telefon angeschafft werden. Die vorhandenen analogen oder ISDN-Telefone lassen sich bequem an einen Router anschließen und für die Internettelefonie konfigurieren. Bei der Internettelefonie müssen Kunden nicht auf die Komfortmerkmale verzichten, die vom Festnetz bekannt sind. Die meisten Kinderkrankheiten der Telefonie per VoIP wie Echo in den Leitungen oder ein Besetztzeichen sind inzwischen im Wesentlichen beseitigt. Die Telefonie über das Internet funktioniert bei der Hardware-Lösung selbstverständlich auch bei ausgeschaltetem Computer.

Grundsätzlich kann jedes VoIP-Angebot auch per IP-Telefon oder Headset und PC genutzt werden. Dabei ist man jedoch nur erreichbar, wenn der PC angeschaltet ist, man spricht von der Software-Lösung.

Notrufe über VoIP

Ein wesentlicher Vorteil von VoIP wird in Sachen Notruf zum Problem: Ein VoIP-Nutzer ist mit seinem Account weltweit unter ein und derselben Rufnummer erreichbar. Werden jedoch die 110 oder 112 gewählt, muss der Anrufer lokalisierbar sein, um ihn direkt an die nächstgelegene Notrufzentrale durchstellen zu können. Im Fest- oder Mobilfunknetz ist dies kein Problem, eine automatische Lokalisierung des Anrufers übers Internet ist bislang jedoch nicht möglich.

Daher verknüpfen die meisten VoIP-Anbieter eine Heimadresse mit dem jeweiligen VoIP-Nutzer. Ein Notruf wird daher an die Dienststelle vermittelt, die dieser Anschrift am nächsten liegt. Sobald sich der VoIP-Kunde jedoch nicht mehr zu Hause befindet, kommt es zu Fehlern. Leider erhält diese Notrufzentrale auch dann den Anruf des VoIP-Kunden, wenn dieser gerade auf Mallorca aus dem Alkoholkoma erwacht und nach Hilfe ruft.

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