Vermittlungsstelle
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Vermittlungsstelle (VST) und DSL-Technik

Die Vermittlungstechnik für DSL-Anschlüsse ist nicht so komplex, wie man vielleicht denkt. Wie sieht es in den "heiligen Hallen" der Telekom aus, sprich: in den Vermittlungsstellen? Wir erklären, was in den Vermittlungsstellen passiert.

Viele Internetsurfer sind bereits im Besitz eines breitbandigen ADSL-Anschlusses, sehr viele davon haben den weit verbreiteten DSL-Anschluss der Telekom, der ebenfalls auf der ADSL-Technik basiert. Wie die DSL-Technik auf der Anwenderseite aussieht, wissen die meisten Highspeed-Surfer: Der Splitter teilt die Daten, dass Modem bereitet diese nochmals auf etc. Doch wie sieht es in den "heiligen Hallen" der Deutschen Telekom aus, sprich: in deren Vermittlungsstellen? Einfach gesagt: Prinzipiell nicht sehr viel anders.

Was passiert ab dem Hausanschluss?

Verlassen die Daten durch den Splitter und der letzten TAE-Dose den Hausanschluss, so gehen sie zunächst "auf die Reise" zur örtlichen Vermittlungsstelle (VST).

Im Falle eines ADSL-Anschlusses darf die Vermittlungsstelle übrigens nicht so weit vom Hausanschluss entfernt sein wie bei einer ISDN-Leitung, denn ADSL setzt eine maximale Entfernung von ungefähr fünf bis sieben Kilometern als technische Grenze (Kabellänge, nicht Luftlinie!). Mit anderen Worten: Wer weiter als etwa fünf bis sieben Kilometer von der Vermittlungsstelle entfernt wohnt, hat nur eine geringe Chance auf einen (vollwertigen) DSL-Anschluss. Zwar kann man unter Umständen auch über diese Entfernung hinaus einen ADSL-Anschluss realisieren, dieser wäre jedoch nicht mehr konform mit Standard-Bandbreiten. Eine Kompromisslösung ist allenfalls noch DSL 384 bzw. DSL light, welches auf geringeren Transferraten basiert (384 kbit/s Down- und 64 kbit/s Upstream). Allerdings kann auch DSL light nicht überall geschaltet werden - und wenn, dann nur nach manueller Leitungsprüfung der Telekom.

Die Standorte Ihrer Vermittlungsstellen gibt die Telekom übrigens nicht bekannt. Kleiner Orientierungspunkt für Neugierige: Die Vermittlungsstellen befinden sich größtenteils nahe der örtlichen Post, da die Telekom und die Deutsche Post bis zum 1. Januar 1995 ein gemeinsames Unternehmen waren.

In der Vermittlungsstelle angekommen...

Wenn die Daten nun bei der Vermittlungsstelle angekommen sind, haben sie meist schon einige der an den Straßen stehenden Verteilerschränke passiert. Die Daten gelangen anschließend in einen Splitter, der - genau wie beim Hausanschluss - wiederum die Daten von der Telefonie trennt. Aufgabe des Splitters ist dabei die Trennung der beiden unterschiedlichen Frequenzbänder von ISDN (bis 120 kHz) und ADSL (ab 138 kHz). Der Splitter trennt quasi die Telefonfrequenzen von dem hochfrequenteren ADSL-Frequenzen und leitet diese an die entsprechenden Geräte namens DSLAM und POTS weiter.

"POTS" steht dabei für "plain old telephon service" und meint nichts anderes als "das gute, alte Telefonkabel".

Nach dem Splitter erreichen die Pakete, wie erwähnt, den DSLAM (Digital Subscriber Line Access Multiplexer). Der DSLAM sammelt bzw. verteilt auf örtlicher Ebene den DSL-Datenverkehr der Endkunden und reicht ihn an den regionalen DSL-AC (Access Concentrator) weiter. Kurzum: Der DSLAM ist ein Muss für jede mit ADSL versorgte Vermittlungsstelle.

Anschließend terminiert der DSLAM die Anschlüsse und setzt diese in der Regel auf eine Glasfaserleitung mit vorgeschaltetem Router um. Hierbei wird oft ein ATM-Router verwendet.

Die ATM-/Glasfaserleitung wiederum ist mit einem Gerät nächsthöherer Ebene gekoppelt bzw. verbunden, nämlich dem schon besagten DSL-AC (Access Concentrator). Der DSL-AC bildet die Schnittstelle der regionalen DSL-Infrastruktur mit dem Internet, genauer gesagt einem Backbone, der Teil des Internets ist.

Die Deutsche Telekom betreibt zahlreiche dieser Access Concentratoren - strategisch über die gesamte Bundesrepublik verteilt, so dass sie den Traffic der jeweiligen Region optimal bewerkstelligen können. Netzwerktechnisch ist der DSL-AC ein Router und deshalb gemäß OSI-Modell auf Layer 3 angesiedelt. Für das IP-Protokoll ist er ein sichtbarer "Hop" im Internet.

Technik der Authentifizierung

Bei der Authentifizierung entscheidend ist das "RADIUS Protokoll" (Remote Authentification Dialin User Service Protokoll). Der Standard (RFC-2138/2139) ist bei ADSL eines der häufigsten Authentifikationsprotokolle. Das Radius-Protokoll ist eine einheitliche und somit genormte Art, Benutzerkennungen von Internetzugängen auf Ihre Gültigkeit hin zu überprüfen.

Meistens hat eine Telefongesellschaft nicht nur einen Einwahlknoten (Access Concentrator), sondern mehrere und muss zudem die Kunden mehrerer Internet-Service-Provider (ISP) bedienen. Diesbezüglich müsste jeder Einwahlknoten für jeden ISP eine Datenbank bereit halten, in der die Zugangsdaten (Benutzernamen, Passwörter) der Kunden eingetragen sind. Eine solche Datenbank wäre freilich sehr schwer zu pflegen. Außerdem müsste man einen enormen Aufwand betreiben, um die Daten vor fremden Zugriffen zu schützen. Einfacher wäre es deshalb, alles zentral zu verwalten.

Just hier setzt RADIUS ein: Auf einem System werden eine Datenbank und ein Radius-Server installiert. Meistens sind es mehrere Server, die sich einfach die Last aufteilen oder wechselseitig "einspringen", sollte einer ausfallen. Die Server sind aber direkt miteinander verbunden und werden meist zentral administriert. In einer zweiten Datenbank befindet sich eine Liste mit Namen und Passwörtern und evtl. Adressen von Systemen, die Anfragen an den Radius-Server stellen dürfen. Durch dieses Protokoll wird also jederzeit sichergestellt, dass die Einwahl via ISDN oder ADSL auch von der jeweiligen Person berechtigt erfolgt.

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