Vectoring
Glasfaserkabel© zentilia / Fotolia.com

Vectoring: Die Technik hinter den schnellen VDSL2-Anschlüssen

VDSL-Turbo: Der Sprung von 50 auf 100 Mbit/s bei schnellen Internetzugängen wird in Deutschland oft über Vectoring realisiert. Dabei handelt es sich aber nicht um eine neue Anschlussart, sondern um eine Erweiterung des VDSL2-Standards. Die größere Geschwindigkeit hat jedoch ihren Preis.

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Der Sprung von 50 auf 100 Mbit/s bei VDSL2-Internetzugängen wird über Vectoring realisiert. Dabei handelt es sich aber nicht um eine neue Anschlussart, sondern um eine Erweiterung des VDSL2-Standards. Uploads können bei Vectoring-Anschlüssen mit bis zu 40 Mbit/s erfolgen. Die höhere Geschwindigkeit hat jedoch ihren Preis.

Probleme mit den Kupferleitungen

Als Grund für die begrenzte Bandbreite eines Anschlusses wird oft die Länge des Kupferkabels angegeben. Und tatsächlich bestimmt dessen Länge zum Großteil die Leitungsdämpfung. Es gibt aber noch einen zweiten großen Faktor: Beim Übersprechen beeinflussen sich die Signale der dicht beieinander liegenden 400 oder 600 Kupferdoppeladern in einem Hauptkabel gegenseitig.

Vectoring soll das Übersprechen zwischen benachbarten Teilnehmeranschlussleitungen verringern und dadurch die Übertragungsraten steigern - insbesondere wenn viele VDSL-Signale in einem Strang gebündelt und diese schlecht voneinander abgeschirmt sind. In bestehenden Telefonnetzen ist dies häufig der Fall.

So funktioniert VektoringSo funktioniert Vektoring© Deutsche Telekom

Vektoring: Alle Stränge in einer Hand

Vectoring wurde von der ITU-T als Standard G.993.5 eingeführt. Die Technik kompensiert die gegenseitigen Beeinträchtigungen durch eine aufwändige Rechnung. Dafür muss dem DSL-Zugangsmultiplexer allerdings bekannt sein, welches Signal in welcher Einzelleitung eines Hauptkabelstrang anliegt. Der Multiplexer (DSLAM, Digital Subscriber Line Access Multiplexer) ist das Gegenstück zum DSL-Modem.

Eine Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der DSLAM in der Hand eines Anbieters liegt. Was technisch ein Fortschritt ist, kann aus Verbrauchersicht aber auch als Rückschritt gesehen werden. Wo Vectoring eingesetzt wird, ist kein entbündelter Zugang mehr möglich. Wettbewerber können nicht mehr die nackte Leitung mieten und dort eigene Technik anbieten. Ihnen bleibt lediglich ein Bitstromzugang, bei dem VDSL2-Vectoring nur in der bestehenden Umsetzung mitgenutzt werden kann.

So funktioniert GlasfaserDSL, VDSL und VDSL2 mit Vectoring im Vergleich. © Deutsche Telekom AG

De facto nur 93 Mbit/s und keine 100 Mbit/s

Kern der Vectoring-Technik ist die Schätzung der auf der Empfängerseite zu erwartenden Störungen auf Senderseite und die Einspeisung eines Kompensationsignals. Komplett ausschalten lässt sich das Übersprechen bei Kupferkabeln allerdings auch durch den Einsatz von Vectoring nicht. Eine Alternative wäre Glasfaser, wo es kein Übersprechen gibt. Doch das Verlegen des Glasfasers bis in die Haushalte ist teuer, Vectoring jedoch eine Übergangstechnik auf dem Weg dorthin.

Um einen besseren Ping zu erreichen und den Datendurchsatz zu stabilisieren setzt die Deutsche Telekom beim Vectoring auf G.INP. In der konkreten Umsetzung führt dies dazu, dass die Nettodatenrate maximal 93 Mbit/s beträgt. Die bis zu 100 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit, mit denen immer geworben wird, sind folglich nicht wörtlich zu nehmen. Schneller als mit 93 Mbit/s geht es derzeit nicht.

Die Unternehmen und Universitäten arbeiten bereits am Vectoring-Nachfolger G.fast. Hier wurde allerdings noch kein Standard definiert.

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