Ratgeber

Tutorial: Was zu Hause für ADSL2(+) benötigt wird

Nicht nur die Verfügbarkeit des Highspeed-Anschlusses muss gegeben sein, auch an die Technik zu Hause werden einige Anforderungen gestellt.

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com
Ganz klar: Wer ADSL2(+) nutzen will, muss erst einmal einen Anbieter finden, der die schnelle Übertragungstechnik in seiner Region ausgebaut hat und vermarktet. Doch dies ist nicht die letzte Hürde. Neben der Vermittlungsstelle der Telefongesellschaft muss auch der heimische Computer einige Fähigkeiten für die volle Entfaltung des ADSL2(+)-Genusses beisteuern.

Geeignetes Modem

Weil ADSL2(+) ein neuer Übertragungsstandard ist, wird folglich auch ein passendes DSL-Modem benötigt, um die volle Geschwindigkeit auszuschöpfen. Interessenten sollten sich daher beim Hersteller erkundigen oder im Handbuch nachschauen, ob das zurzeit verwendete Gerät ADSL2(+) auch tatsächlich unterstützt. ADSL2 ist als ITU-T G.992.3/4 und ADSL2+ als ITU-T G.992.5 genormt.

Gegebenenfalls steht auch ein Firmware-Update zur Verfügung, mit dem das Modem zu ADSL2(+) kompatibel gemacht werden kann. Einige Provider bieten bei Neubeantragung aber auch die Möglichkeit ein entsprechendes Gerät kostenlos oder gegen einen geringen Aufpreis mitzubestellen, andere stellen das Modem wiederum leihweise zur Verfügung. Ihren Splitter dürfen Sie übrigens behalten, er wird weiterhin funktionieren und ISDN- von ADSL-Signal trennen.

Interoperabilität

Eine weitere Besonderheit von ADSL2(+) ist die Abwärtskompatibilität zum ADSL-Standard. Das bedeutet, dass ein normales ADSL-Modem auch an einer ADSL2(+)-Vermittlungsstelle betrieben werden kann. Allerdings natürlich nicht mit der gesamten Bandbreite. Umgekehrt können auch ADSL2(+)-Modems an einem ADSL-Netz betrieben werden; die Vorteile der neuen Technologie werden in beiden Fällen dann aber nicht ausgenutzt. Vom Modem in den Rechner

Wer kein internes ADSL2(+)-Modem besitzt, stößt zudem auf eine weitere Problematik: Wie bekomme ich die Daten von meinem externen DSL-Modem am besten in den PC? Hier besteht zum einen die Möglichkeit das Signal via kabelgebundenem Netzwerk, zum anderen via WLAN zu übertragen.

Kabelgebundenes Netzwerk

Werden die Daten vom DSL-Modem kabelgebunden übertragen, so geschieht das meistens über ein CAT5-Patchkabel (selten Crossedover) zur Ethernet-Karte. Hier muss darauf geachtet werden, dass die verwendete Netzwerkkarte nicht nur 10 MBit/s (10BaseT-Standard), sondern 100 MBit/s (100BaseT) unterstützt. Denn was nützt ein 16 MBit/s schneller Anschluss, wenn die Netzwerkkarte bereits bei 10 MBit/s auf die Bremse drückt.

Kabellose Übertragung

Wer ADSL2(+) über das heimische WLAN realisieren will, hat ebenfalls etwas zu beachten. Zum einen ist die Übertragungsgeschwindigkeit sehr von der Signalqualität sowie Signalstärke und damit von der Entfernung zum nächsten WLAN-Access-Point abhängig, zum anderen kennen auch viele WLAN-Sticks im USB-Port des Rechners frühe Grenzen. So versprechen neuere WLAN-Router und Sticks eine schnelle Verbindung von 54 oder gar 108 MBit/s (Standard IEEE 802.11g(+)), in der Praxis wird diese Geschwindigkeit jedoch selten oder gar nicht erreicht, da die maximal realisierbare Bandbreite schon nach wenigen Metern rapide absinkt. Die Frage ist also, ob das WLAN die 16 MBit/s für ADSL2(+) überhaupt zuverlässig übertragen kann. Dies lässt sich zu Hause am besten mittels eines kleinen Tests herausfinden, indem man beispielsweise Daten vom einen PC zum anderen überträgt und die Leistungsfähigkeit misst. 16 Megabit entsprechen fast 2 Megabyte pro Sekunde. Bei vielen Heimanwendern steckt des Weiteren ein WLAN-Stick im USB-Port, um kabellos zu kommunizieren und zu surfen. Allerdings können selbst neuere WLAN-Adapter/-Dongles über alte USB-Ports (USB 1.0/1.1) höchstens 12 MBit/s übertragen. Das Gleiche gilt natürlich für die weniger verbreiteten, kabelgebundenen USB-DSL-Modems. Manchmal schaffen ältere WLAN-Router und -Sticks aber auch von Haus aus nur 11 MBit/s, weil der WLAN-Standard IEEE 802.11b diese Maximalbandbreite festlegt und nicht für mehr ausgelegt ist.

Bandbreite teilen

Wer die Bandbreite ohnehin nicht für sich alleine an einem einzigen PC nutzen will, braucht sich zumindest über die Übertragung vom Modem zum Rechner keine großen Gedanken zu machen. Sollte das Netzwerk oft mit mehreren gleichzeitig surfenden Personen geteilt werden, lässt sich die Bandbreite gut auf alle Rechner verteilen, um im Endeffekt die volle Geschwindigkeit von 16 MBit/s auszuschöpfen. Von Vornherein eine feste Bandbreite kann man einzelnen Nutzern über QoS (Quality of Service) beziehungsweise Traffic-Shaping reservieren. Voraussetzung ist natürlich ein Gerät, das dieses Merkmal unterstützt.

Sollten diese Bedingungen beachtet werden, die ADSL2(+) an den heimischen PC stellt, steht dem Highspeed-Surfspaß über Alice, Arcor, AOL, Versatel etc. hoffentlich nichts mehr im Wege. Wer mehr zu den technischen Vorteilen von ADSL2(+) erfahren will, dem sei unser entsprechendes Breitband-Special empfohlen.

(Tobias Capangil)

Zum Seitenanfang