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Spam-Fallen: Wegwerf-E-Mail-Dienste im Vergleich

Schnell, unverbindlich und sofort verfügbar: Wegwerf-E-Mail-Dienste sind die schnelle Hilfe gegen Spam. Wir haben 15 Angebote verglichen und zeigen, wer die Nase vorn hat.

E-Mail© a2 studio / Fotolia.com

Nicht nur für Ökoverbände steht längst fest: Wir leben in einer "Wegwerfgesellschaft". Was aber im Normalfall durch erhöhtes Abfallaufkommen für heftige Reaktionen bei Naturschützern und Gegenwartskritikern sorgt, trägt in der digitalen Welt das Etikett "umweltschonend". Denn kaum ein Mittel hilft besser gegen den Unrat aus Bits und Bytes, als die "Wegwerf-E-Mail-Adresse". Spam, der sonst millionenfach Postfächer und Filtersysteme verstopft, wird einfach in die Irre geleitet und landet dort, wo er hingehört: auf der Müllhalde des Internets. Wir haben 15 Dienste unter die Lupe genommen und zeigen Vor- und Nachteile.

Schnell, unverbindlich, sofort verfügbar

Auf den ersten Blick sind alle Angebote gleich. Ohne Registrierung oder Anmeldung stellen sie in wenigen Sekunden eine beliebige, temporäre E-Mail-Adresse zur Verfügung, die sich sofort anstatt der "echten" Web-Anschrift verwenden lässt. Wer etwa häufig an Gewinnspielen im Internet teilnimmt, auf Gratis-Downloads spekuliert, denen oft eine Registrierung mit Mail-Adresse vorgeschaltet ist oder einfach ab und zu ein unverbindliches elektronisches Postfach benötigt, erhält so den effektivsten Schutz vor ungebetenen Nachrichten, den es gibt.

Denn besser als Spam, der gefiltert wird, ist Spam, der nicht verschickt werden kann. Allerdings endet damit auch der Sinn und Zweck einer Wegwerf-Adresse. Mehr sollte nicht erwartet werden. Selbst E-Mail-Anhänge lassen sich über die meisten Angebote nicht empfangen.

Für wichtige Korrespondenz ungeeignet

Nicht zu empfehlen sind die Adressen für Korrespondenz, die zuverlässig und sicher übermittelt werden soll oder gar persönliche Daten enthält. Denn bei den meisten Diensten gilt: Auch wenn ein Postfach gerade verwendet wird, können weitere Nutzer im gleichen Moment darauf zugreifen, Inhalte nach Belieben lesen oder löschen. Diese Gefahr lässt sich zwar vermindern, indem vor dem @ ein besonders ausgefallener Name genutzt wird. Sie bleibt jedoch ein prinzipielles Risiko. Auf dem typischen Einsatzgebiet der Wegwerf-E-Mail-Adresse ist "heimliches" Mitlesen allerdings kein Problem – das allgemeine Interesse an Viagra-Fälschungen und Hypnose-Newslettern dürfte sich in Grenzen halten. Zudem löschen die meisten Anbieter eingegangene E-Mails in regelmäßigen Abständen automatisch.

Als weitaus größeres Manko erweist sich, dass zahlreiche Wegwerf-Email-Adressen gerade dort oftmals nur noch sehr begrenzt einsetzbar sind, wo sie am meisten gebraucht werden. Grund: Die von den Anbietern verwendeten Domains werden bei Registrierungsverfahren mit E-Mail-Abfrage oftmals schlichtweg nicht akzeptiert. Hier gilt es im Zweifel, verschiedene Dummy-Anbieter auszuprobieren. Durch die Fülle der Dienste findet sich nahezu in jedem Fall eine funktionierende Alternative. Lässt sich hingegen kein passender Ersatz ermitteln, kann ebenfalls ein reguläres E-Mail-Konto als Spam-Falle eingerichtet werden.

Der wesentliche Vorteil eines Wegwerf-Accounts liegt jedoch in seiner spontanen Verfügbarkeit - ohne Anmeldung und Wartezeiten. Was die Einwegsysteme darüber hinaus im Einzelnen bieten, verdeutlicht unsere Auflistung ausgewählter Dienste.

Wegwerf-E-Mail-Dienste im Vergleich

Insgesamt wurden dabei 15, meist deutschsprachige, Anbieter auf Leistungsumfang und Funktionalität getestet. Nachfolgend sind die sechs Kriterien aufgeführt, die als Grundlage für eine Einschätzung dienen:

  • Werbung: Keine Frage - eine Finanzierung der kostenlosen Dienste ist unerlässlich. Allerdings macht es einen Unterschied, ob hier und da Banner und Anzeigen um Aufmerksamkeit buhlen oder direkt Pop-Ups aufblitzen, die sich erst mit mehreren Klicks bändigen lassen.
  • Löschintervall: Wegwerf-Adressen sind für eine temporäre Nutzung vorgesehen. E-Mails eines Postfachs werden daher in der Regel nach einem bestimmten Zeitraum gelöscht.
  • Eingang der Test-Mails: Ein sofort verfügbares Postfach nützt reichlich wenig, wenn E-Mails, die darüber empfangen werden sollen, erst nach Minuten, Stunden oder gar nicht ankommen.
  • E-Mail-Anhänge: Nicht immer sind es einfache Textnachrichten, die ihren Weg ins Postfach finden. Eine Unterstützung für Dateianhänge kann daher sehr nützlich sein.
  • Domains: Einige Anbieter für Wegwerf-Adressen ermöglichen eine Auswahl zwischen mehreren Domains. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Einweg-Konto bei Registrierungen als solches identifiziert und abgelehnt wird, kann dadurch vermindert werden.
  • Spam- und Virenfilter: Auf den ersten Blick erscheinen zusätzliche Schutzmaßnahmen dieser Art überflüssig, denn Wegwerf-Adressdienste sollen den Spam ja ohnehin schlucken. Je nach Ausführung sind sie dennoch ein wichtiges Sicherheitsmerkmal, da eingehende Nachrichten bei Angeboten ohne Postfachspeicher automatisch an ein zweites Konto weitergeleitet werden.

Alle Ergebnisse sowie einige spezifische Ergänzungen sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst.

Dienst Werbung Lösch-Intervall Eingang Test-Mail E-Mail-Anhänge Sonstiges
emailgo.de ja 30 Min. ‹ 10 Sek. nein
  • 1 Domain
  • kein Spam-/Virenfilter
  • E-Mails lassen sich beantworten
  • Verzögerung des Löschintervalls möglich
instant-mail.de nein 24 Std. ‹ 10 Sek. nein
  • 4 Domains
  • kein Spam-/Virenfilter
  • Maximale E-Mail-Größe: 10 MB
  • Website teilweise etwas langsam
mailefix.com ja max. 48 Std. ‹ 10 Sek. nein
  • 2 Domains
  • kein Spam-/Virenfilter
  • Max. E-Mailgröße: 128 Kbyte
  • noch in der Beta-Phase
mailinator.com ja mehrere Std. ‹ 10 Sek. nein
  • 1 Domain
  • kein Spam-/Virenfilter
  • Englischsprachig
  • Direktzugriff auf Postfach über Lesezeichen
  • Max. zehn E-Mails pro Postfach
  • Max. akzeptierte E-Mail-Größe: 120 Kbyte
  • Weiterleitung möglich
mailtrash.net ja 24 Std. ‹ 10 Sek. nein
  • 1 Domain
  • Spamfilter
  • kein Virenfilter
  • E-Mails können nicht manuell gelöscht werden
nervmich.net ja wählbar bis 72 Std. ‹ 30 Sek. ja
  • 3 Domains
  • Spam- und Virenfilter
  • Kein klassisches Postfach
  • Mails werden nach Spam/Viren gefiltert & weitergeleitet
secretemail.de ja 15 Minuten ‹ 10 Sek. nein
  • 1 Domain
  • kein Spam-/Virenfilter
  • Verzögerung des Löschintervalls möglich
  • mehrsprachig
sofort-mail.de ja 1 Std.   nein
  • 1 Domain
  • kein Spam-/Virenfilter
  • Test-Mails wurden nicht zugestellt (Mail-Delivery-Fehler)
spambog.com ja 30 / 7 Tage ‹ 10 Sek. bis 2 MB
  • 14 Domains
  • Spamfilter
  • kein Virenfilter
  • E-Mails: drucken, speichern, beantworten & weiterleiten
  • Passwortschutz für Postfach
  • mehrsprachig
  • Direktzugriff auf Postfach über Lesezeichen
spamgourmet.com ja keines ‹ 10 Sek. ja
  • 1 Domain
  • Spamfilter
  • kein Virenfilter
  • Kein klassisches Postfach
  • Anmeldung notwendig
  • Mails werden nach Spam gefiltert & weitergeleitet (pro Einweg-Adresse max. 20)
  • mehrsprachig
spoofmail.de ja 24 Std. ‹ 30 Sek. nein
  • 2 Domains
  • kein Spam-/Virenfilter
trash-mail.com ja 6 Std. ‹ 30 Sek. bis 1 MB
  • 1 Domain
  • kein Spam-/Virenfilter
  • Dateianhänge werden komprimiert
  • E-Mail-Anhang im Test nicht zugestellt
wegwerf-email.net ja keines ‹ 10 Sek. nein
  • 1 Domain
  • kein Spam-/Virenfilter
  • Passwortschutz für Postfach (max. 5 Tage)
wegwerfemail.de ja 1 Std. ‹ 10 Sek. nein
  • 1 Domain
  • kein Spam-/Virenfilter
  • Verzögerung des Löschintervalls möglich
zehnminuten.de ja 10 Min. ‹ 10 Sek. nein
  • 1 Domain
  • kein Spam-/Virenfilter
  • Verzögerung des Löschintervalls möglich
  • mehrsprachig

Fazit: Schneller Sofort-Schutz gegen Spammer

Die meisten der getesteten Dienste erfüllen ihre Aufgabe so, wie sie sollen. Hier und da kämpfen die Websites allerdings mit Erreichbarkeits- und Geschwindigkeitsproblemen. Auch wird deutlich, dass sich die gebotenen Leistungen stark unterscheiden. Vom einfachen Wegwerf-Account, der nur wenige Minuten gültig bleibt bis hin zur umfassenden Spam-Filterung mit automatischer Weiterleitung ist alles vertreten. Besonders empfehlenswert ist spambog.com - ein Angebot, das kaum Wünsche offen lässt. Wer hingegen einen automatischen Vorfilter für das "echte" E-Mail-Konto sucht, sollte den Spamgourmet um die passenden Rezepte bitten.

(Christian Wolf)

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