Richtfunk
Handymast© Wolfgang Cibura / Fotolia.com

Richtfunk zur Datenübertragung nutzen

Per Richtfunk lassen sich Daten zwischen zwei fixen Standorten auch auf längeren Strecken übertragen. Richtfunk kam zunächst bei der Telefonie und der Übertragung von TV-Programmen zum Einsatz. Generell richten sich Richtfunk-Angebote wegen der relativ hohen Kosten vor allem an Unternehmen.

Schon lange ist bekannt, dass man Daten auch per Funk übertragen kann. Anbieter erhalten per Funk eine gute Möglichkeit, den Kunden einen breitbandigen Internet-Anschluss ohne aufwendige und kostspielige Kabelverlegungen zur Verfügung zu stellen. Die drahtlose Überbrückung der sogenannten letzten Meile bezeichnet man in der Fachsprache auch als Wireless Local Loop (WLL). Sollen Daten zwischen zwei fixen Standorten übertragen werden, spricht man von Richtfunk. Bereits 1931 wurde die erste Richtfunkverbindung in Betrieb genommen, nach dem Krieg wurde die analoge Richtfunk-Technik zur Übertragung von Fernmeldediensten und TV-Programmen genutzt. Heute sind nur noch digitale Richtfunksysteme im Einsatz. Im Herbst 2013 waren in Deutschland bereits mehr als 125.000 Richtfunkstrecken in Betrieb.

Die Technik

Für Internetanschlüsse kommen vor allem Richtfunksysteme zum Einsatz, bei denen man zwischen Punkt-zu-Punkt- und Punkt-zu-Mehrpunkt-Systemen unterscheidet. Punkt-zu-Punkt-Richtfunksysteme verbinden zwei Stationen über eine Richtfunkstrecke, es wird also eine direkte Verbindung zwischen Sender und Empfänger aufgebaut. Dadurch können theoretisch Übertragungsgeschwindigkeiten über 1 Gigabit/s erreicht werden. Nachteil sind dabei aber die sehr hohen Kosten, da der Anbieter für jeden Kunden eine separate Sendeanlage und Empfangsanlage bereitstellen muss. Daher wird diese Art des Richtfunks vor allem zur Überbrückung von größeren Distanzen und zur Anbindung von Internet Service Providern genutzt.

Punkt-zu-Mehrpunkt-Richtfunksysteme hingegen versorgen mit einer Funkzelle in einem Gebiet von mehreren Quadratkilometern beliebig viele Kunden, die lediglich eine spezielle Antenne an der Hauswand oder auf dem Dach anbringen müssen. Für die Anbindung werden dabei Funkverbindungen im Mikrowellenbereich in den Frequenzbereichen 2,6 GHz, 3,5 GHz und 26 GHz zur Übertragung genutzt, die erst im August 1999 von der Regulierungsbehörde zur WLL-Nutzung freigegeben wurden. Somit können Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 155 Mbit/s erreicht werden.

Die Angebote

Auch bei dieser Variante des Richtfunks sind die Investitionskosten für die Anbieter relativ hoch und entsprechende Angebote sind daher erst mit steigender Kundenzahl pro Funkzelle für die Anbieter wirtschaftlich überhaupt interessant. Die vorhandene Nachfrage entscheidet darüber, ob sich der Aufbau einer Funkzelle für den Betreiber und damit auch für den Nutzer rechnet. Aus diesem Grund sind Internetzugänge per Funk meistens nur in großen Ballungsräumen und Gebieten mit hoher Unternehmensdichte verfügbar. Ländlichere Regionen sind für eine Erschließung eher ungeeignet. Gängig sind zur Zeit Angebote mit Übertragungsgeschwindigkeiten von 2 Mbit/s bis hin zu 10 Mbit/s. Richtfunk dient aber auch zur Anbindung von Mobilfunkbasisstationen. Der Nachteil von Richtfunk ist eine größere Störanfälligkeit beispielsweise bei Regen. Im Gegensatz zu in der Erde verlegten Festnetzleitungen lassen sich Richtfunkanlagen einfacher entstören.

Fazit: Richtfunk vor allem für Unternehmen geeignet

Eine Richtfunk-Anbindung bietet sich vor allem für den Unternehmenseinsatz als Standleitungsersatz an, wenn man einen schnellen, symmetrischen Anschluss zum Internet benötigt, kein kabelgebundenes Breitband-Internet erhalten kann und gleichzeitig noch eine gut gefüllte Brieftasche besitzt. Angebote, die auch für Privatkunden in Frage kommen, sind eher dünn gesät und nur in wenigen Städten oder Stadtteilen verfügbar.

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