Ratgeber

Jugendschutz: Kindersicherung für den Internetzugang

Im Word Wide Web gibt es zahlreiche Dinge, die nicht für Kinderaugen bestimmt sind. Gleichzeitig ist ein Abschotten von der digitalen Welt in Hinblick auf die Zukunft auch nicht ratsam. Was also tun? Spezielle Programme können Eltern bei dieser Aufgabe unterstützen.

Laptop© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Das Internet ist eine tolle Sache und hat das Leben von Millionen von Menschen positiv beeinflusst. Wie jedes neue Medium beherbergt das WWW aber auch Gefahren, insbesondere da es für jeden zugänglich ist. Eine Alterskontrolle oder gar einen virtuellen Türsteher sucht man bislang vergebens. Die ersten Bemühungen in diese Richtung werden mit der Reform des Jugendmedienschutzes durch die Bundesländer unternommen. Betreiber von Internetseiten sollen künftig auf freiwilliger Basis ihre Angebote entsprechend kennzeichnen. Besondere PC-Schutzprogramme sollen diese Altersangaben wiederum lesen und sie dann entweder freigeben oder stoppen. Selbst wenn die Forderungen zügig und schnell umgesetzt werden, bleiben genügend Seiten übrig, die Jugendliche und Kinder besser nicht sehen sollten. Aber dies ist doch alles kein Problem, schließlich können Sie ihren Kindern 100-prozentig vertrauen, dass sie sich ausschließlich auf was-ist-was.de und Blinde-Kuh.de aufhalten. Oder nicht?

Hand aufs Herz: Die Verlockungen des Webs sind groß, hinter jedem Link kann sich ein weiteres lustiges Videos, verbotenes Bildchen oder Weiß-Der-Teufel-Was verstecken - genauso gut können Sie versuchen einem Fisch das Schwimmen abzugewöhnen. Selbst Erwachsenen fällt der vernünftige Umgang mit dem Netz (manchmal) schwer.

Filter-Software für die Kleinen

Was also tun? Ein komplettes Verbot des Internetzugangs ist keine Lösung, schließlich muss der Umgang mit Medien erlernt werden. Erste Ansätze sind schon da, in Schulen gehört der Informatik- oder Computerunterricht schon seit Jahren zum Unterrichtsprogramm. Mittlerweile ist selbst für Grundschüler der Umgang mit dem PC selbstverständlich. Jeden einzelnen Klick des Zöglings zu kontrollieren, hört sich in der Theorie natürlich gut an, ist in der Praxis aber praktisch nicht durchführbar.

Für diesen Fall sollte also ein "privater Sicherheitsdienst" in Form einer Software eingesetzt werden. Dieser ersetzt zwar nicht die elterliche Aufsichtspflicht, kann aber durchaus behilflich sein. Um diese Gefahren abzuwenden, gilt es, Kinder von entsprechenden Angeboten fern zu halten. Die Software ist in der Lage bestimmte Dienste, Schlüsselworte und Websites zu sperren, so dass die Kleinen keinen Zugriff darauf haben. Zudem besteht oft die die Möglichkeit eine White- oder Blacklist anzulegen: Websites auf der weißen Liste dürfen angesurft werden, Einträge auf der schwarzen Liste sind tabu. Weitere wichtige Funktionen sind die Einrichtung eines Zeitkontos und das Blockieren von bestimmten Programmen. Für einen vollständigen Schutz sollten all diese Mechanismen zusammenspielen - schließlich kann die unbedachte Verwendung von P2P-Software schnell die Haushaltskasse dezimieren.

Das Software-Angebot

Die großen Hersteller von Antiviren-Software bieten auch unterschiedliche Ansätze für den Jugendschutz. Symantec bietet sogenannte Add-on Packs für bestehende Kunden, die die Software um die entsprechende Funktion erweitern, McAfee hält seine Family Protection auch einzeln bereit. Avira wiederum ermöglicht spezielle Schutz-Software nur in Verbindung mit der Premium Security Suite. Spezialisierte Anbieter wie Salfeld Kindersicherung oder NetNanny kosten rund 30 bis 40 Euro. Wie bei der Antiviren-Software sind auch aber hier kostenlose Schutzprogramme erhältlich - wie die drei folgenden Lösungen:

Die Software für den Kinder- und Jugendschutz kann auch von der Provider-Seite eingesetzt werden. So bietet zum Beispiel T-Online einen kostenlosen Kinderschutzservice mit Hilfe einer Positiv-Liste und Zeitkonten.

Eine weitere kostenlose Möglichkeit ist die Kinderschutzsoftware (KSS) des Vereins fragFINN e.V.. Der fragFINN e.V. wird von Unternehmen wie der Telekom, 1&1, GMX, Google, Microsoft, Super RTL, Symantec Deutschland und WEB.de finanziert und erhält zusätzlich Unterstützung von dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) und dem BITKOM-Verband.

Auch Windows steuert mit der gratis Software "Windows Live Family Safety" Funktionen bei, um Kinder von unerwünschten Websites fernzuhalten, Programme zu sperren und Zeitkontingente einzuteilen. Installierte Spiele können zudem für die verschiedenen Altersklassen gesperrt oder freigegeben werden. Family Safety ist für XP, Vista und Windows 7, 8 und 10 verfügbar.

Theorie und Praxis

Die Bedienung und besonders die Konfiguration der Software setzt allerdings gute Internet- und Computerkenntnisse voraus. Umso zahlreicher die Möglichkeiten des Programms, desto komplizierter wird in der Regel auch seine Bedienung. Für Computernutzer ohne Informatik-Studium empfehlen sich die einfach zu bedienenden Angebote fragFINN-KSS oder Microsofts Family Safety. Da die fragFINN-KSS sehr wenig Einstellungs- und Überwachunsmöglichkeiten bietet und sich zudem eher an jüngere Kinder richtet, befasst sich unser Ratgeber näher mit Microsofts Family Safety Programm.

Die ersten Schritte

Generell sollten Kinder ein eigenes Benutzerkonto - ohne Administratorrechte - erhalten. Verschiedene Altersklassen erfordern natürlich unterschiedliche Konten. So kann nur der Administrator, also die Eltern, Software installieren oder Sicherheitseinstellungen ändern. Unter Windows ist schnell ein zusätzliches Benutzerkonto angelegt, der entsprechende Eintrag befindet sich der in der Systemsteuerung. In unserem Beispiel erhielt das Benutzerkonto den pragmatischen Namen "KIND". Bei der Verwendung von Family Safety wird ein Benutzerkonto für das Kind bei der Konfiguration automatisch angelegt.

Die Software kann kostenlos bei Microsoft heruntergeladen werden und ist binnen weniger Minuten installiert, zur Nutzung ist allerdings ein Windows Live Account nötig, da alle Aktivitätsberichte nur online eingesehen werden können. Eine Portion Vertrauen in Microsofts Verschwiegenheit gehört also ebenfalls zu den Voraussetzungen. Nach der Installation können alle Optionen über den Punkt "Jugendschutz" in der Systemsteuerung aufgerufen werden .

Die Webfilterung erlaubt die Festlegung von White- und Blacklists und die Verwendung von Filtern. Ist eine Seite gesperrt, kann das Kind einen Antrag bei den Eltern auf Freigabe stellen.

Windows JugendschutzDie Webfilterung bietet unter anderem die Möglichkeit, gezielt einzelne Websites zu sperren oder freizugeben. Screenshot: onlinekosten.de© Onlinekosten.de

Auch die Aktivitäten des Nutzers "KIND" können hier eingesehen werden, hier wurde zum Beispiel die Website des BitTorrent-Clienten uTorrent aufgerufen.

Windows Jugendschutz aktivitätDie unbedachte Verwendung von BitTorrent-Clienten kann zu ernsthaften Problemen führen - das sollte auch der Nachwuchs wissen. Screenshot: onlinekosten.de© Onlinekosten.de

Der Spiele-Explorer von Vista, Windows 7, 8 und Windows 10 zeigt die Alterseinstufungen der installierten Spiele an. Eine Funktion, gezielt Spiele für das Kind auszuschließen, bieten die Redmonder ebenfalls.

Windows Jugendschutz AltersfreigabeManche Spiele gehören nicht in die Hände von Kinder und Jugendlichen. Die Spielfreigabe von Windows unterstützt die Eltern dabei. Screenshot: onlinekosten.de© Onlinekosten.de

Zeitkonten einrichten

Fest Surf-Zeiten erleichtern das "Überwachen" enorm, auch hier bietet Windows eine Option.

Windows Jugendschutz zeitenFür jeden Wochentag lassen sich feste Zeitfenster definieren. Screenshot: onlinekosten.de© Onlinekosten.de

Nutzen der Software und Fazit

Jugendschutzsoftware ersetzt natürlich nicht die elterliche Aufsicht, ist aber ein wichtiges Instrument um die Kleinen an den Umgang mit dem PC zu gewöhnen – eine Überwachung rund um die Uhr ist im Alltag wohl kaum zu realisieren.

Checkliste/Zusammenfassung
  • Eigenes Benutzerkonto fürs Kind
  • Installation Family Safety
  • Zeitkonto einrichten
  • Programme/Spiele freigeben bzw. sperren
  • Webfilter aktivieren
  • Instant Messenger Kontakte prüfen
  • Auswertung der Aktivitätsberichte
Jugendschutz-Filter

Einige Webportale für Kinder finden Sie unter weiterführende Links.

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