Internetsucht
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Internetsucht: Die Anziehungskraft virtueller Räume

Dank des Internets sind wir weltweit vernetzt: Informieren, Shoppen, Spielen, Chatten… Schnell verbringt man mehrere Stunden täglich im Internet und taucht ganz in das virtuelle Leben ein. Doch was ist, wenn man darüber hinaus die Realität vor der Haustür vergisst? Alles über Internetsucht lesen Sie hier!

Ein durchschnittlicher Internet-Nutzer ist 2015 pro Tag rund 108 Minuten im Internet unterwegs, Tendenz steigend. Bis 2008 lag die durchschnittliche Online-Zeit noch unter einer Stunde. Doch es gibt zahlreiche Menschen, die deutlich länger im Internet surfen. Gerade durch internetfähige Smartphones ist die Versuchung noch stärker, schnell mal online zugehen, um dieses und jenes zu erledigen.

Wann spricht man von Internetsucht?

Wo konkret eine Internetsucht beginnt, darüber scheidend sich die Geister. Das mag wohl unter anderem an der vielseitigen Nutzungsweise des World Wide Web liegen: Die einen stöbern stundenlang in Fachartikeln, andere chatten via Facebook und wieder andere verbringen Abend für Abend mit Online-Games. Je nach Situation spricht man auch von Spielsucht oder Onlinesucht.

Ohnehin wird Internetsucht gern mit Spielsucht verglichen: Betroffene verbringen sehr viel Zeit im Internet und vergessen dabei die Realität um sich herum. Darunter leidet nicht nur das Sozialleben, sondern auch die körperliche und geistige Gesundheit. Im Mittelpunkt der Sucht stehen besonders oft Onlinespiele, soziale Netzwerke oder sexuelle Inhalte. Man schätzt, dass in Deutschland etwa eine halbe Millionen Menschen internetsüchtig und noch mehr gefährdet sind.

Woher kommt die Sucht nach dem Online-Sein?

Eine Sucht, und damit auch die Internetsucht, ist immer in unserem Gehirn verankert und es lohnt sich, genauer hinzusehen, was hier vor sich geht. Reizvoll am Internet sind eine gewisse Anonymität und schnelle Erfolgserlebnisse. In der virtuellen Welt kann man ein ganz anderer Charakter werden und sich so darstellen, wie man sich gerne sieht. Gesellschaftsklassen werden aufgehoben, sodass man mit den unterschiedlichsten Leuten in Kontakt kommt. Es kommt eine Gruppendynamik zustande, in welcher man Anerkennung findet. Menschen, die in der Realität wenig soziale Kontakte haben, sind plötzlich gefragt.

Durch Klicks, Texteingaben und andere Aktionen wird außerdem die virtuelle Welt beeinflusst. Während des Spielens oder der Texteingabe baut sich ein Spannungsbogen auf, welcher sich durch eine schnelle Rückmeldung, eventuell in Form einer Antwort des Chatpartners oder eines geschlagenen Feindes, in einen Glücksmoment entlädt. Das Belohnungszentrum in Gehirn wird angesprochen und schüttet Dopamin aus. Ein Hormon, das süchtig machen kann: Süchtig nach Freude. Da man die Erfahrung gemacht hat, im Netz Anerkennung finden und Erfolge feiern zu können nutzt man das www immer öfter.

Wer ist für Internetsucht anfällig?

Besonders oft von Internetsucht betroffen sind Menschen, die in der Realität Probleme haben. Sei es nun ein fehlender Freundeskreis, die Arbeitslosigkeit oder Stress in der Familie: Das Internet verspricht einfache Zerstreuung und Erfolgserlebnisse. Dabei ist es egal, ob man männlich oder weiblich, 17 oder 45 Jahre alt ist. Natürlich könnte man seine Probleme auch in Alkohol ertränken oder an den Spielautomaten gehen. Reizvoll am Internet ist jedoch besonders das Ausleben eigener Fantasien und der Aufbau neuer, virtueller Welten und Netzwerke.

Was auf Internetsucht hindeutet

Da es keine eindeutige Definition für Internetsucht gibt, kann auch die Diagnose schwierig sein. Einige Verhaltensweisen kommen jedoch besonders häufig vor. Bemerkt man diese bei sich oder Personen im Umfeld, sollte man den Internetkonsum genauer hinterfragen.

Betroffene verbringen oft mehrere Stunden täglich vor dem PC und vernachlässigen deswegen Freunde und andere Hobbys. Oft sind die Internetinhalte fest im Kopf der Betroffenen verankert: Am Abendessenstisch wird lebhaft von Online-Erlebnissen erzählt, vor dem Schlafen-Gehen werden kommende Spielzüge geplant oder Chat-Antworten vorformuliert. Das gesamte Leben beginnt sich online abzuspielen.

Mit dem neuen Leben in der virtuellen Welt fällt es Betroffenen schwer, über den zu hohen Internetkonsum zu reden. Meist wissen Betroffene selbst, dass der Internetkonsum zu hoch liegt, können ihn jedoch nicht mehr einschränken, müssen ihn gar noch steigern, um befriedigt zu werden. Fällt das Internet einmal aus, führt das zu Nervosität, Gereiztheit bis hin zu Depressivität.

Wie man vom Internet loskommt

Um von einer Internetsucht loszukommen, ist es wichtig, dass der Betroffene erkennt, zu viel Zeit im Internet zu verbringen. Am wichtigsten ist es, die Internetzeit einzudämmen und Seiten zu meiden, die suchtfördernd wirken könnten. Der PC wird aus dem Wohn- oder Schlafzimmer in einen weniger genutzten Raum verbannt, ein genauer Zeitplan aufgestellt, wann wie lange gesurft wird. Hilfreich ist es zudem, vor dem Anschalten des internetfähigen Gerätes Ziele zu setzten, was getan und was unterlassen werden soll.

Wichtig ist es auch, Alternativen zum Internet zu schaffen. Freunde und Verwandte sollten versuchen, den Betroffenen so oft wie möglich vom Internet wegzuholen. Die Aufnahme alter oder neuer Hobbys kann helfen. Außerdem hat sich gezeigt, dass besonders Online-Beratung gerne von Internetsüchtigen angenommen wird: Hier erhält man in einem bekannten Umfeld Hilfe.

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