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Internet über Satellit: Möglichkeiten und Grenzen

Internet über Satellit ist die einzige Technik, die überall in Deutschland verfügbar ist - auch wo DSL, TV-Kabel und LTE-Mobilfunk nicht hinreichen. Wir zeigen die Möglichkeiten und Grenzen auf.

Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Immer mehr Haushalte können einen Breitband-Internetanschluss erhalten, und die Surfgeschwindigkeiten werden auch zusehends schneller. Aber es gibt immer noch weiße Flecken, in denen die Aussicht gering ist, in naher Zukunft einen schnellen Internetzugang über das Festnetz nutzen zu können. Internet über Satellit ist die einzige Technik, die überall in Deutschland verfügbar ist - auch wo DSL, TV-Kabel und LTE-Mobilfunk nicht hinreichen.

Tooway und Astra Connect

Der Kunde hat die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern in Deutschland, dahinter stehen aber lediglich zwei Plattformen. Beide hat Onlinekosten.de bereits getestet, indem eine Sat-Schüssel auf dem Redaktionsgebäude montiert wurde: Tooway von Eutelsat im Jahr 2010 und Astra Connect von SES Astra ein Jahr später. Seitdem hat sich die Technik weiterentwickelt. Durch den Start neuer Breitbandsatelliten konnte die verfügbare Bandbreite Schritt für Schritt erhöht werden.

Neue Anbieter, die ebenfalls Satelliten ins All schießen wollen oder als Alternative Zeppeline bzw. Heißluftballons nutzen wollen, die in geringerer Höhe fliegen, spielen für den deutschen Markt auf absehbare Zeit keine Rolle. Sie sollen zuerst in Entwicklungs- und Schwellenländern einen Internetzugang ermöglichen.

Bis zu 22 Mbit/s im Download

Die beiden Plattformen Tooway und Astra Connect ähneln sich sehr stark. In beiden Fällen empfängt die Sat-Schüssel auf dem eigenen Heim nicht nur die Daten, sondern sendet diese auch zurück zum Satelliten ins All. Vor ein paar Jahren wurde dieser Rückkanal bei einigen Angeboten noch über eine Telefonleitung realisiert.

Privatkunden erhalten einen Internetanschluss mit bis zu 22 Mbit/s (Tooway) bzw. 20 Mbit (Astra Connect) im Download und mit bis zu 6 bzw. 2 Mbit/s im Upload. Wie von DSL und Mobilfunk bekannt, handelt es sich hier um Bis-zu-Geschwindigkeiten, die nicht jederzeit durchgehend garantiert werden. Die Abweichungen von der Maximalgeschwindigkeit können beim Sat-Internet aber durchaus größer ausfallen, insbesondere beim Upload.

Nichts für Heavy-Downloader

Der Internetzugang über Satellit ist ein Shared Medium. Mehrere Nutzer müssen sich die Kapazitäten eines Satellitentransponders teilen. Damit die anderen Kunden nicht unter dem Extremverhalten eines Einzelnen leiden müssen, gibt es in der Regel eine Fair-Use-Policy. Der Verstoß dagegen wird mit einer kurzzeitigen Drosselung der Geschwindigkeit bestraft. Auch ist das monatliche Datenvolumen begrenzt. Echte Flatrates gibt es in der Regel nur gegen viel Geld für Unternehmenskunden.

Das bedeutet dann auch, dass die Nutzer von Sat-Internet sich ein anderes Nutzungsverhalten zulegen müssen als DSL-Kunden. Die Nutzung von Streamingdiensten wie Spotify und Netflix sowie die Ablage großer Datenmengen in der Cloud sind möglich, sollten aber nur mit Bedacht in Anspruch genommen. Manche Anbieter halten aber sogenannte "Nachtoptionen" oder "Freezones", meist zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen, bereit. Downloads lassen sich in diesem Zeitraum ohne Volumenberechnung durchführen.

Wegen hoher Latenzzeiten eher ungeeignet für Online-Gamer

Ein Unterschied zu DSL, TV-Kabel und LTE sind die Latenzzeiten. Bei den beiden Redaktionstests wurden hohe Ping-Raten von 670 bzw. 800 Millisekunden gemessen. Die Ergebnisse lassen sich aus der großen Distanz, die die Signale überwinden müssen, erklären. Über DSL sind lediglich 5-15 Millisekunden normal. Für Anwendungen, bei denen es darum geht, dass die Datenpakete schnell den Empfänger erreichen, ist dieser Unterschied erheblich. Flashspiele im Browser funktionieren gut, anspruchsvolle Onlinegames wie Ego-Shooter eher nicht. Telefonate über das Internet (VoIP) ließen sich aber problemlos führen.

Auch wenn es nicht in jedem europäischen Land ein Gateway gibt, so erhalten Nutzer in Deutschland doch eine deutsche IP-Adresse, womit sich dann alle Dienste nutzen lassen, die nach dem aktuellen Standort filtern.

(Peter Giesecke)

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