Breitband-Special

Festhalten! Das ist ADSL2(+)

Der ADSL-Nachfolger steht schon in den Startlöchern, erste Provider wollen umsteigen. Doch was können ADSL2 und ADSL2+ wirklich?

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Der Rubel muss rollen - dafür sind wir Kapitalisten. Auch im Internetgeschäft. Dass die Gewinnspanne bei einem reinen Internet-Zugangsangebot nicht unbedingt die breiteste ist, dürfte klar sein. Eine Leistung, ein Preis. Was also tun, um den Kunden mehr Geld aus den Taschen ziehen zu können?

Triple-Play ist in

Die Antwort ist einfach und anfordernd zugleich: neue Services einführen. Einfach, weil eine Bereicherung des Angebots auf der Hand liegt - anfordernd deshalb, weil der Internetnutzer anspruchsvoll geworden ist, wenn es um zu bezahlende Angebote geht. Online-Banking, -Gaming, E-Mail oder Instant-Messaging - alles kostenlos nutzbar, als kostenpflichtiges Zusatzmerkmal also uninteressant.

Eher in Frage kommen da Merkmale wie Voice over IP (VoIP) oder Video on Demand (VoD). Das Problem: Um alle drei Produkte über eine handelsübliche ADSL-Anbindung anbieten zu können, reicht die Bandbreite des Downstreams bei gleichzeitiger Benutzung zweier Merkmale nicht aus, um eine gleichbleibend gute Qualität sicher zu stellen.

Mehr als 3 Mbit/s, bitte

Drei Megabit pro Sekunde zum Video-Streaming, während eine mehrere hundert Megabyte große Datei heruntergeladen wird? - Da geht die Leitung in die Knie. Hier war und ist die Industrie gefragt. Neue Technologien müssen her. Die Antwort liegt vor: ADSL 2. Doch was ist ADSL 2, wie arbeitet es und in welchen Merkmalen sticht es seinen Vorgänger aus? ADSL2 basiert wie auch die Vorgänger-Generation (ADSL) auf einer Kupfer-Doppelader. Das Verlegen einer neuen TAE in der Wohnung des Kunden wird auch mit ADSL2 nicht nötig sein, da die Technik auf Frequenzen jenseits der Telefonie zurückgreift. Der Upstream nutzt bis zu 0,14 Megahertz, der Downstream maximal 1,1 MHz.

Das Plus an Leistung

Ohne den technischen Raffinessen von ADSL2 und ADSL2+ schon jetzt Beachtung schenken zu wollen, stehen bereits zwei Vorteile gegenüber ADSL im Raum: Mehr Reichweite - mehr Downstream, nämlich bis zu 24 Mbit pro Sekunde mit ADSL2+. Durch Einsatz der zweiten Generation der asymmetrischen Digital Subscriber Line wächst also nicht nur die Leistung, sondern auch der potentiell erreichbare Kundenstamm.

Noch schneller mit ADSL2+

Der aufmerksame Leser wird beobachtet haben, dass ein neues Schlagwort gefallen ist: ADSL2+. Diese Weiterentwicklung greift alle technischen Merkmale von ADSL2 auf, nutzt jedoch einen größeren Frequenzbereich für den Download. Nämlich bis zu 2,2 Megahertz. Durch das Plus an Trägerfrequenzen lassen sich auf kurze Distanzen (~1,5 km) bis zu 24 Mbit/s Downstream bereitstellen. Werden wir technischer. Die wohl interessantesten Fragen dürften sein: Wie lässt sich die neue Technik in die bestehenden ADSL-Infrastrukturen integrieren? Muss neue Hardware in die Vermittlungsstellen verbaut werden? Und können die Kunden ihre alte Hardware weiter benutzen?

Einfacher Einbau

Erfreulich ist, dass die Implementierung von ADSL2 in die jetzige ADSL-Infrastruktur recht einfach ist. Die DSL-Verteilerkästen in den Vermittlungsstellen (so genannte Digital Subscriber Line Access Multiplexer, kurz DSLAM) bleiben bestehen - keine Investitionen für die Carrier. Die Kunden, die Lust auf mehr Bandbreite und damit den Einsatz von ADSL2 haben, werden einfach auf eine neue Trägerkarte geschaltet.

DSLAM en detail

Um dies zu veranschaulichen, sehen wir uns ein DSLAM genauer an. Zum Beispiel ein DSLAM von Cisco Systems (siehe Bild). Gut sichtbar sind die Steckkarten, an denen bis zu 72 Wohneinheiten angeschlossen werden können. Es ist möglich, diese Karten je nach Kundennachfrage auszutauschen - zum Beispiel gegen Karten mit größerer Kapazität. Argumentiert ein Provider also damit, DSL könne auf Grund fehlender Ports nicht bereitgestellt werden, könnte er auch eine neue ADSL-Steckkarte ins DSLAM einbauen.

Auf Kundenseite hingegen muss umgerüstet werden - ADSL2-fähige Hardware muss her. Neue ADSL-Modems (beispielsweise von AVM) bieten jedoch schon jetzt eine ADSL2-Option, die durch ein Firmware-Update freigeschaltet werden kann. Kommen wir zu weiteren Neuerungen, die ADSL im Direktvergleich zu seinem Nachfolger alt aussehen lassen. Drei Stromspar-Modi helfen den Carriern, Geld zu sparen - denn auch eine Vermittlungsstelle frisst Kilowattstunden. Während ADSL all\' Zeit bereit ist, will ADSL2 nur dann ernährt werden, wenn es auch nötig ist.

Geringer Energieverbrauch

Ist der Kunde nicht im Netzwerk angemeldet, schaltet der DSLAM auf Sleep-Modus (L3 genannt). Meldet sich der Surfer an, springt die ADSL2-Hardware auf L2-Power-Modus: Hier wird bei Downloads volle Stromversorgung aktiviert, bei Traffic-Stopps die Zufuhr heruntergefahren (beispielsweise beim Lesen eines Dokuments). Da freut sich nicht nur der Carrier, sondern auch die Umwelt. Einzig Leidtragender: der Stromanbieter, der weniger Energie unters Volk bringt.

Crosstalking adé

Auch in der Fehlerkorrektur hat sich etwas getan. Man stelle sich eine gewöhnliche Kupferleitung vor. Da liegt einer von 25 und mehr gewundenen Drähten neben einem anderen. Auch Faktoren wie Funkwellen oder elektromagnetischen Felder irritieren den Datenfluss. Ein Phänomen, so genanntes "crosstalking" (zu deutsch: Nebensprechen), tritt auf - die Drähte stören sich gegenseitig, wodurch sich die elektronischen Signale überlagern.

Daraufhin müssen die kommunizierenden ADSL-Geräte in der Vermittlungsstelle (VSt) und auf Kundenseite die Fehler korrigieren. Großes Problem bei ADSL: ist die Störung schwerwiegend, wird die Verbindung unterbrochen und muss neu aufgebaut werden. Bei ADSL2 entfällt dies, die Technik identifiziert Störfaktoren von selbst und lagert die Datenübertragung innerhalb des Übertragungsbandes auf andere, ungestörte Frequenzen um. Doch damit nicht genug. Auch lassen sich mit ADSL2-Geräten Dienste wie VoIP oder VoD priorisieren. So wird sicher gestellt, dass jedem Merkmal eine gewisse Bandbreite zur Verfügung steht. Im Fachjargon nennt sich dies Quality of Service, kurz QoS.

Ausblick

Im Großen und Ganzen sollten wir ADSL2 und ADSL2+ also ganz herzlich willkommen heißen. Die Kunden profitieren nicht nur von höheren Bandbreiten auf kurze Distanz, sondern auch von konstanten Leistungen im Dauerbetrieb. Ganz nebenbei wird die Verfügbarkeit durch eine größere Reichweite von ADSL2 verbessert, wodurch noch mehr Bundesdeutsche zu einem breitbandigen Internetanschluss kommen könnten.

Nun sind die Carrier gefragt. Versatel will bekanntlich schon bald in die ADSL2-Welt einsteigen - auch die Deutsche Telekom zeigt sich nicht abgeneigt. Die Bandbreiten werden also in gar nicht ferner Zukunft noch weiter in die Höhe schnellen. Fragt sich nur, für welche Kunden Triple-Play-Lösungen wirklich in Frage kommen. Betrachtet man das Beispiel der T-Com, so macht eine Einführung wenig Sinn - schließlich ist T-DSL an einen Telefonanschluss gebunden. Wozu also VoIP?

Nachfrage klären

Des Weiteren steigen die Bandbreiten in kürzester Zeit an, die Verfügbarkeit erweitert sich jedoch nur schleppend. Was ist nun wichtiger? Immer mehr Bandbreite oder steigende Verfügbarkeit? Eher zweiteres, denkt man an die Hunderttausenden, die durch Glasfaserkabel oder zu lange Kupferleitungen von der bunten DSL-Welt abgeschnitten sind.

(Michael Müller)

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