Darknet
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Das Darknet - ist das "dunkle Internet" wirklich böse?

Das Darknet ist praktisch nur in den Schlagzeilen, wenn es für illegale Machenschaften genutzt wird. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, wie ein Blick auf die Technik und die Funktionsweise hinter dem Darknet zeigt.

Schnell entsteht der Eindruck, dass das Darknet der "böse Zwilling" des uns allseits bekannten Internets ist. Das stimmt jedoch nur bedingt, wenn man sich anschaut, wie dieser unbekanntere Teil des Internets funktioniert.

Wie funktioniert das Darknet?

Zunächst ist es nötig, eine geeignete Software zu installieren, um auf das Darknet zuzugreifen. Diese Software leitet jedes Datenpaket – also vielleicht die Anfrage, um eine bestimmte Webseite zu erreichen – über zahlreiche einzelne Server. Woher genau diese Anfrage kommt, lässt sich dadurch im Nachhinein nicht mehr zurückverfolgen. So ist ein anonymes Surfen möglich.

Alle Daten werden dabei verschlüsselt übertragen. Jeder Server auf dem Weg des Datenpakets kümmert sich um einen Teil der Entschlüsselung, bis der Nutzer am Ende das unverschlüsselte Ergebnis (also etwa eine Webseite) zu sehen bekommt.

Diese Verschlüsselung ist dafür verantwortlich, dass auch versteckte Webseiten existieren können, die ein gewöhnlicher Browser nicht erreichen kann. Jene Webseiten "verstecken" sich normalerweise hinter einer langen Zeichen- und Ziffernfolge, gefolgt von der Endung ".onion" – diesen Teil bezeichnet der Volksmund als Darknet.

Positive und negative Aspekte des Darknets

Das Darknet zeigt sowohl positive als auch negative Seiten: Durch die genannte Verschlüsselung ist ein Grad an Anonymität erreichbar, der für das normale Internet nicht gegeben ist. Dies ermöglicht beispielsweise eine abhörsichere Kommunikation, was auch positiven Zwecken dienen kann. Nicht in jedem Land auf der Welt herrscht eine weitgehende Meinungsfreiheit. In Staaten, in denen sich Bürger nicht frei über politische Themen austauschen dürfen, ist das Darknet eine sichere Alternative.

Die völlige Anonymität ist aber auch ein fruchtbarer Boden für kriminelle Machenschaften. Um sich Waffen oder Drogen (wie im Falle des recht bekannten Silk-Road-Falls) zu beschaffen, ist das Darknet eine – leider – gute Anlaufstelle. Da als Zahlungsmittel in der Regel Bitcoins verwendet werden, die ebenfalls anonyme Geldtransfers ermöglichen, treten Käufer und Verkäufer illegaler Waren praktisch nie in direkten Kontakt miteinander. Eine IP-Adresse, wie sie im normalen Internet als Identifizierung von Nutzern verwendet wird, liegt im Darknet nicht vor.

Das Prinzip hinter der Nutzung des Darknets dürfte offensichtlich sein: Nicht das Werkzeug selbst, sondern dessen Nutzung kann Probleme verursachen.

Behörden gegen das Darknet – ein aussichtsloser Kampf?

Im Kampf gegen die anonymen Nutzer des Darknets sind selbst die größeren Geheimdienste bislang weitgehend machtlos. Zahlungsströme lassen sich praktisch nicht nachvollziehen, der Zugang zu einzelnen Nutzern ist kaum möglich. Realistische Chancen auf einen Zugriff bestehen nur, wenn die gesuchten Personen Fehler begehen. Nicht selten stellen die zuständigen Behörden daher selbst Fallen – à la "Suche 1 Kilogramm Kokain, wer kann liefern?" –, um auf diese Weise vielleicht einige leichtsinnige Nutzer zu überführen. Silk Road als großer Drogenumschlagsplatz ist auf diese Weise gescheitert.

Dennoch gilt nach wie vor, dass Personen, die Bereiche des Darknets erkunden, nicht automatisch illegal handeln. Verschlüsselte Kommunikation ist kein Verbrechen und die Software kann auch dazu dienen, Seiten wie Facebook & Co. zu erreichen. Momentan lässt sich das Darknet daher am besten mit einem Internet vergleichen, in dem es keine Rechtsprechung gibt – mit allen Vor- und Nachteilen.

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