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Alt 24.12.2013, 21:04
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inquisitor inquisitor ist offline
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Standard Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Kürzlich hatte ich Gelegenheit den Technikern einer Kabelbaufirma über die Schultern zu schauen als diese ein bereits verlegtes Glasfaser-Erdkabel zur Anbindung an einen Outdoor-DSLAM angeschlossen haben. Da hier sicherlich der ein oder andere User neugierig ist, wie sowas in der Praxis aussieht, habe ich mal folgende kleine Fotostory gebastelt:

Das Erdkabel wurde durch bereits vorhandene Leerrohre der örtlichen Stadtwerke eingezogen und landet in einer ca. 50cm tiefen Baugrube vor dem Outdoor-DSLAM. Und so gelangt das Kabel in den Outdoor-DSLAM hinein:


Zunächst wird das bereits verlegte Erdkabel, das aus dem Boden kommt, abisoliert.


Ist der schwarze Außenmantel und der weisse Innenmantel entfernt, kommen drei miteinander verdrillte Röhrchen (1 x rot und 2 x gelb) sowie ein weißer Kunststoffdraht (als Zugentlastung) zum Vorschein.


Entfernt man mittels Heißluftpistole auch noch die roten bzw. gelben Mäntel...


kommen aus jedem dieser Röhren jeweils vier farbig ummantelte Fasern zum Vorschein, die nur noch hauchdünn sind. Wir haben es also mit 3*4=12 Fasern zu tun. Bei der aktuell von der Telekom eingesetzten GPON-Technologie (ITU-T G.984) kann über jede dieser Fasern 2.5 GBit/s downstream und 1.2 GBit/s upstream übertragen werden. Insgesamt stehen an diesem DSLAM bei Nutzung aller 12 Fasern 30 GBit/s Downstream und 14,4 GBit/s Upstream zur Verfügung. Der Outdoor-DSLAM hat kupferseitig Anschlußmöglichkeiten für bis zu 200 Teilnehmeranschlußleitungen (TAL), sodaß rechnerisch für jeden Teilnehmer ohne jede oversubscription 150 MBit/s realisierbar wären.
Würde man auf die 10 GBit/s schnelle "10G-PON"-Technologie aufrüsten, ließen sich obige Werte aber auch im Handumdrehen vervierfachen.


Aber das Abisolieren nimmt kein Ende, denn mit einer speziellen Zange wird auch noch der farbige Mantel (sog. "jacket") entfernt.


Am Ende bleiben nur noch diese haardünnen Fasern übrig, die jeweils aus dem lichtleitenden Kern (sog. "core" 9µm Durchmesser), dem lichtreflektierenden "cladding" (125 µm Durchmesser) und einer Schutzschicht (sog. "coating", 250 µm Durchmesser) bestehen. Menschliches Haar hat zum Vergleich einen Durchmesser von 500-700 µm.
Mehr zum Aufbau von Glasfasern bei Wikipedia


Nun wird das Kabel mit den 12 abisolierten Fasern in diese Metallkassette aus dem Hause Tyco Electronics geführt, die am Ende in den Outdoor-DSLAM eingebaut wird und eine Art Patchfeld darstellt, an dem dann das ONT ("Glasfaser-Modem") angeschlossen werden kann.


In der Kassette befindet sich dieses Modul, das 12 LSA-Buchsen (grün) enthält, an denen bereits jeweils ca. 50cm langes Glasfasern vormontiert sind.


Nun müssen also die 12 Fasern aus dem Erdkabel mit den 12 vormontierten Pigtails, die an den LSA-Buchsen hängen, miteinander verbunden werden.


Dazu muß man aber erst einmal herausfinden zu welcher der 12 LSA-Buchsen die unbeschrifteten Pigtails jeweils gehören. Zu diesem Zweck hat man einen stiftförmigen "Fiber Light Pen", der in die LSA-Buchse paßt und mit einer starken roten LED die angeschlossene Glasfaser erleuchtet, wodurch am anderen Ende des Pigtails eine rote Lichtquelle mit bloßem Auge sichtbar wird.


Steht nun fest welches Pigtail mit welcher Faser aus dem Erdkabel verbunden werden muß, kommt das Spleißgerät zum Einsatz.


In dieses werden nach Reinigung mittels Wattebausch und einer unbekannten Flüssigkeit (womöglich Alkohol) beide zu verspleißende Fasern angelegt. (auf dem Foto ist erst eine Faser angelegt)


Das hochmoderne Spleißgerät richtet beide Fasern exakt zueinander aus...


Nach einem sekundenschnellen Schweißvorgang zeigt das Gerät das erfolgreiche Ergebnis von nur 0.3 dB Dämpfung an.


Zum Schluß wird auf die verspleißte Stelle zum Schutz noch eine Metallklemme gepresst, die ein Brechen durch mechanische Beanspruchung verhindern soll.

Das ganze wird für die übrigen elf Fasern wiederholt, überschüssiges Kabel in der Kassette aufgewickelt und das ganze in den Outdoor-DSLAM eingebaut.

Leider waren die Techniker nur mit der Installation der passiven Glasfasertechnik beauftragt und einsetzender Regen verhinderte weitere Aufnahmen, aber das wesentlichste ist oben dargestellt. Das ONT, als jenes Gerät, das dann später mit einem kurzen Glasfaser-Patchkabel mit der oben gezeigten Kassette bzw. deren LSA-Anschlüssen verbunden wird, habe ich leider nicht zu Gesicht bekommen.

Geändert von inquisitor (24.12.2013 um 21:13 Uhr)
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Alt 24.12.2013, 21:48
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Standard AW: Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Zitat:
Zitat von inquisitor Beitrag anzeigen
Wir haben es also mit 3*4=12 Fasern zu tun. Bei der aktuell von der Telekom eingesetzten GPON-Technologie (ITU-T G.984) kann über jede dieser Fasern 2.5 GBit/s downstream und 1.2 GBit/s upstream übertragen werden. Insgesamt stehen an diesem DSLAM bei Nutzung aller 12 Fasern 30 GBit/s Downstream und 14,4 GBit/s Upstream zur Verfügung.
Du übertreibst, an einem Outdoor-DSLAM wird kein GPON genutzt (ist mir zumindest nicht bekannt), das ist "normales" PtP-(Gigabit)Ethernet zum Netzknoten. Und dafür werden im Regelfall auch nur 2 Fasern (Senden/Empfangen) genutzt. Und nur weil das Kabel 12 Fasern hat heißt das nicht, das alle 12 Fasern bis ins Amt durchgehen
Zitat:
Zitat von inquisitor Beitrag anzeigen
Aber das Abisolieren nimmt kein Ende, denn mit einer speziellen Zange wird auch noch der farbige Mantel (sog. "jacket") entfernt.
Manchmal auch "Coating" (für die ganz Schlauen "Primär-Coating") genannt

Zitat:
Zitat von inquisitor Beitrag anzeigen
In der Kassette befindet sich dieses Modul, das 12 LSA-Buchsen (grün) enthält, an denen bereits jeweils ca. 50cm langes Glasfasern vormontiert sind.
Das sind SC/APC-Stecker in passenden Buchsen.

Zitat:
Zitat von inquisitor Beitrag anzeigen
Nach einem sekundenschnellen Schweißvorgang zeigt das Gerät das erfolgreiche Ergebnis von nur 0.3 dB Dämpfung an.
Wenn das für die Telekom war hätte der Kollege den Spleiß nochmal machen müssen, 0,02 dB (laut Gerät) ist glaube ich die Grenze. Aber so ein Gerät verschätzt sich auch gerne.

Zitat:
Zitat von inquisitor Beitrag anzeigen
Leider waren die Techniker nur mit der Installation der passiven Glasfasertechnik beauftragt
Das ist üblich. Normal kommt dann noch eine Firma für Kupfer und noch eine, die den DSLAM einbaut und dann kommt die Telekom zum Inbetriebnehmen.
__________________
Ist schon irgendwie krass

384 kbit/s bei 6,9km Leitungslänge, 64 dB Downstream-Dämpfung, 20 dB SNR laut Speedport W701V
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Alt 25.12.2013, 00:18
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Standard AW: Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Zitat:
Zitat von rezzler Beitrag anzeigen
Du übertreibst, an einem Outdoor-DSLAM wird kein GPON genutzt (ist mir zumindest nicht bekannt), das ist "normales" PtP-(Gigabit)Ethernet zum Netzknoten. Und dafür werden im Regelfall auch nur 2 Fasern (Senden/Empfangen) genutzt. Und nur weil das Kabel 12 Fasern hat heißt das nicht, das alle 12 Fasern bis ins Amt durchgehen
Das wird aber ein Vectoring-fähiger ODSLAM und da wären 6 GBit/s etwas mager, denn damit könnte man gerade einmal 60 Haushalte mit 100 MBit/s versorgen.

Zitat:
Das sind SC/APC-Stecker in passenden Buchsen.
Danke. Kann ich oben leider nicht mehr korrigieren.

Zitat:
Wenn das für die Telekom war hätte der Kollege den Spleiß nochmal machen müssen, 0,02 dB (laut Gerät) ist glaube ich die Grenze. Aber so ein Gerät verschätzt sich auch gerne.
Das ist ein Telekom ODSLAM.
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  #4  (Permalink
Alt 25.12.2013, 00:58
FTTH FTTH ist offline
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Standard AW: Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Zitat:
Das wird aber ein Vectoring-fähiger ODSLAM und da wären 6 GBit/s etwas mager, denn damit könnte man gerade einmal 60 Haushalte mit 100 MBit/s versorgen.
Die Outdoor-DSLAMs für VDSL50 sind mit 1Gbit/s angebunden. Überbuchung ist normal.
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  #5  (Permalink
Alt 25.12.2013, 01:17
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Meester Proper Meester Proper ist offline
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Standard AW: Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Bisher gibt es keine Anbindung eines O-DSLAMs höher als 1 x 1 Gbit/s, auch bei Vectoring-fähigen DSLAMs.
__________________
Zitat:
Consumers have only limited interest in NGA at present – incremental willingness to pay (WTP) for ultra-fast broadband is at most only about € 5 per month, which is nowhere near enough to fund the initial investment needed in most parts of the national territory.
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  #6  (Permalink
Alt 25.12.2013, 03:28
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Standard AW: Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Wieso diese Beschränkung? Die Fasern liegen ja meist schon im Boden und ob man nun in der letzten Meile n Bottleneck oder später irgendwo im Backbone eins hat sollte ja auch egal sein. Im Backbone lässt sich das bestimmt noch durch verschiedenes Routing kaschieren...
__________________
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Alt 25.12.2013, 08:52
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EXP1337 EXP1337 ist offline
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Standard AW: Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Was für eine Beschränkung meinst du denn?
__________________
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Equipment: Fritzbox 3390 [FritzOS 6.51] // Gigaset C610 IP
Mobil: Motorola Moto X Style [Android 6.0.1] // @LTE800/1800/2600
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  #8  (Permalink
Alt 25.12.2013, 10:31
A1B2C3D4 A1B2C3D4 ist offline
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Standard AW: Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Zitat:
Der Outdoor-DSLAM hat kupferseitig Anschlußmöglichkeiten für bis zu 200 Teilnehmeranschlußleitungen (TAL),
Maximal 192 Ports.

Geändert von A1B2C3D4 (25.12.2013 um 10:40 Uhr)
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  #9  (Permalink
Alt 25.12.2013, 10:52
A1B2C3D4 A1B2C3D4 ist offline
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Standard AW: Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Zitat:
Maximal 192 Ports.
Wobei standardmässig nicht alle 4 Slots belegt werden.

Zitat:
Wieso diese Beschränkung?
1 Gbit/s reicht aus. Wozu mehr?
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  #10  (Permalink
Alt 25.12.2013, 13:03
elto elto ist offline
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Standard AW: Fotostory: So kommt die Glasfaser in den Outdoor-DSLAM

Zitat:
Zitat von inquisitor Beitrag anzeigen
habe ich mal folgende kleine Fotostory gebastelt:

Hallo Inquisitor,

kleine Fotostory ist für mich nicht einfach. Denn ich habe noch keine grosse Bandbreite bei meinen ADSL. 2,5MB pro Bild und das auch noch bei einem Hoster welcher massiv Werbung einblendet finde ich nicht gut.

Man kann das wesentliche auf den Bildern auch erkennen wenn die kleiner sind. Und ohne Werbung gehts auch wenn die Bilder z.B. unter Dropbox freigegeben werden.

Viele Grüße

Thomas
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