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Ultrabook Beratung: Vor- und Nachteile der dünnen Dauerläufer

Wodurch zeichnen sich Ultrabooks aus, was leisten sie, wo sind ihre Grenzen und für wen lohnen sie sich? Wir zeigen die ganze Bandbreite der schlanken Geräte.

Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Ultrabook – ein Schlagwort, das derzeit auf Anzeigen in Zeitschriften, Werbeflächen in Flughäfen und natürlich in Elektronikmärkten prangt. Die von Intel erfundene Marke verspricht gegenüber Notebooks, die sich nicht Ultrabook nennen dürfen, verschiedene Vorteile wie eine lange Laufzeit und ein extra schlankes Design. Für wen lohnt sich ein solches Gerät überhaupt, wo liegen die Grenzen und wie finden Interessenten das richtige innerhalb der mittlerweile stolzen Anzahl an Modellen? Diesen Fragen geht unser Ultrabook-Ratgeber auf den Grund.

Wann ist ein Notebook ein Ultrabook?

Zunächst stellt sich die Frage: Wann ist ein Laptop ein "Ultrabook"? Intel lässt die Bezeichnung nur zu, wenn eine Reihe von Kriterien erfüllt ist. So dürfen Geräte mit einer Displaygröße von 14 Zoll oder mehr nur 21 Millimeter (mm) dick sein, kleinere Notebooks nur 18 mm. Das Gewicht spielt hingegen keine Rolle. Zwar sind insbesondere kleine Ultrabooks oftmals sehr leicht, die Asus Zenbooks und die Toshiba-Serien Portégé Z930, Satellite Z930 sowie der Vorgänger Satellite Z830 (Test) beginnen bei nur 1,1 Kilogramm, 15-Zöller überschreiten aber die 2-Kilogramm-Grenze.

Darüber hinaus gelten festgelegte Zeiten für das Aufwachen aus dem Tiefschlaf: Maximal sieben Sekunden dürfen vergehen, bis die Tastatur ansprechbar ist. Aus dem herkömmlichen Standby erwacht ein Ultrabook entsprechend flotter. Um das zu erreichen, setzen die Hersteller auf SSDs, je nach Modell und Preislage als einzige Lösung oder aber zusammen mit einer HDD. Der Akku muss mindestens fünf Stunden durchhalten, wobei Intel eine Empfehlung von acht Stunden herausgibt. All diese Anforderungen gelten für die aktuelle zweite Auflage von Ultrabooks Das heißt, für Geräte mit Intels Ultrabook-Prozessoren der zweiten Generation, die der Chip-Hersteller innerhalb der Core-Familie wiederum der dritten Generation zuordnet: Ivy Bridge. Im Gegensatz zu anderen Ivy-Bridge-Mobilprozessoren sind diejenigen für Ultrabooks besonders stromsparend; ihre Thermal Design Power (TDP) liegt bei 17 Watt. Auf diese Weise lassen sich eine gute Leistung und lange Laufzeit in einem dünnen Gehäuse realisieren.

Keine Standardware: Grafikkarte oder Laufwerk

Dieser kurze Ausflug in die Gemeinsamkeiten aller Ultrabooks zeigt, dass insbesondere mobile Anwender davon profitieren, die wenig Gewicht mit sich herumtragen und möglichst lange ohne Netzteil arbeiten möchten. Mit steigender Größe eines Ultrabooks verlagern sich die Vorteile eher in Richtung schneller Reaktionsfähigkeit und geringeren Stromverbrauchs. Gleichzeitig erhöhen sich die Chancen auf ein integriertes Laufwerk (ab 14 Zoll) und eine Grafikkarte mit dediziertem Speicher (Nvidia ab 13 Zoll, AMD ab 14 Zoll). Ansonsten muss in der ersten Ultrabook-Generation mit Sandy-Bridge-Prozessoren ein Intel HD 3000 Grafikchip und bei neueren Ultrabooks mit Ivy Bridge Intels HD 4000 genügen. Letzterer ist allerdings deutlich stärker als sein Vorgänger. So oder so ist ein Ultrabooks aber nichts für passionierte Computerspieler mit Framerate-Sportsgeist.

Keine Quad-Core-Prozessoren, RAM begrenzt

Ebenfalls aus dem Raster fallen Anwender, die eine sehr hohe Leistung benötigen und beispielsweise regelmäßig zügig HD-Videos schneiden möchten. Schließlich resultiert aus einem niedrigen Stromverbrauch innerhalb einer CPU-Serie in der Regel auch eine geringere Leistung, zumal die Ultrabook-Prozessoren bislang nicht als Vierkerner, sondern nur als Dual-Core in Erscheinung treten - auch die i7-Exemplare. Dank Hyper-Threading können aber insgesamt vier Threads verarbeitet werden. Was ein Ultrabook locker verkraftet, sind Arbeiten wie Abspielen von Full-HD-Videos und Bildbearbeitung im kleineren Rahmen. Wer mehrere Browser-Fenster mit jeweils Dutzenden Tabs und außerdem weitere Programme parallel nutzen möchte, sollte gegebenenfalls beachten, dass bei vielen Ultrabooks bei 4 Gigabyte (GB) RAM das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Beispielsweise das sehr schlanke Asus Zenbook der ersten Generation (Zenbook UX21E (Test) und UX31) sowie das neue Zenbook Prime haben den Arbeitsspeicher fix auf dem Mainboard untergebracht, eine Erweiterung ist ausgeschlossen. Wer definitiv mehr als 4 GB RAM benötigt, sollte daher auf Aufrüstbarkeit achten oder direkt zu einem Modell mit 6 oder 8 GB greifen. Beispiele hierfür sind das Dell Inspiron 14z, Fujitsu Lifebook AH552, HP Envy 14 Spectre (Test) und das ThinkPad X1 Carbon von Lenovo. Mehr als 8 GB gibt es in Ultrabooks derzeit nicht.

Genaues Hinsehen lohnt sich auch beim Massenspeicher. Nur weil das Wort SSD auf der Verpackung auftaucht, heißt das nicht, dass gar keine Magnetfestplatte verwendet wird. Um Kosten zu sparen und ergo den Verkaufspreis zu senken, finden sich in vielen Ultrabooks – wie eingangs erwähnt – Kombinationen beider Speicherlösungen. Die SSD dient dann lediglich dazu, das Notebook so flott reagieren zu lassen, wie Intel es gerne hätte, und immer wieder genutzte Programme schneller starten zu lassen. Einen so zügigen Windows-Boot wie bei einer reinen SSD-Installation und eine durchweg schnellere Performance dürfen dann nicht erwartet werden. Der Vorteil ist die höhere Speicherkapazität zum niedrigen Preis. Ultrabooks mit mehr als 128 GB SSD-Speicher liegen bei mehr als 1.000 Euro, mehr Fassungsvermögen als 256 GB ist generell selten aufzutreiben. Das offenbar derzeit einzige Exemplar, das damit lockt, ist das Dell XPS 14, das das dann mit knapp 1.800 Euro zu Buche schlägt. Noch nicht verfügbar, aber angekündigt, ist das Asus Zenbook U500VZ, ein 15-Zöller mit bis zu 512 GB.

11 bis 15 Zoll große Bildschirme, mit Windows 8 auch mit Touch-Steuerung

Die verfügbaren Display-Größen der Ultrabooks reichen derzeit von 11,6 Zoll (MacBook Air, Asus Zenbook UX21, Zenbook Prime, Sony Vaio T11 und das kommende Acer Aspire S7) bis in den 15-Zoll-Bereich. Mit dem ersten Schwung an Windows-8-Geräten kommen außerdem nicht nur reine Touchscreen-Varianten, sondern auch einige ungewöhnliche Konzepte hinzu – wie beispielsweise Toshiba Satellite U920t, Dell XPS Duo 12, Lenovo ThinkPad Twist und das Yoga 13. Anstelle des herkömmlichen Klappmechanismus integrieren sie je nach Modell Bildschirme zum Abnehmen, Herausschieben, Umdrehen oder Umklappen, um gleichzeitig als Tablet dienen zu können. Sogar mit zwei Displays bestückt ist das Asus Taichi. Derart flexible Ultrabooks sind allerdings teuer; los geht es ab etwa 1.000 Euro.

IPS-Technik und hohe Auflösungen verfügbar

An die Frage Touchscreen oder nicht schließt sich die Wahl der Bildschirmoberfläche an. Wer im vergangenen Jahr ein Ultrabook mit mattem Bildschirm gesucht hat, der wurde nur bei Toshiba fündig. Mittlerweile bieten auch andere Hersteller entspiegelte Displays an; nicht immer handelt es sich dabei um ausgewiesene Business-Geräte. Die Mehrheit glänzt immer noch, doch es hat sich etwas getan: mit der neuen Generation sind auch erstmals Modelle mit IPS-Bildschirm und höherer Leuchtdichte darunter. Dann trüben weder zu knappe Blickwinkel noch zu starke Spiegelungen die Sicht. Besonders hell sind beispielsweise die Asus Zenbooks oder Samsungs Serie 5. Eine so hohe Auflösung wie sie das neue MacBook Pro mit Retina-Display innehält, gibt es auch bei den teuren Ultrabooks nicht, Full HD ist seit Ivy Bridge aber durchaus anzutreffen. Für ein ungewöhnliches Format hat sich Toshiba entschieden: das Satellite U840W spendiert als einziges Gerät einen 21:9-Bildschirm mit 1.792x768 Pixeln. Teils sind die Bildschirme auch durch Cornings Gorilla-Glas geschützt, vor allem Dell greift darauf zurück und hat sowohl das XPS 13 (Test) als auch das neue XPS 14 und das XPS Duo 12 damit versehen. Generell ist noch anzumerken, dass Ultrabooks nicht zwangsläufig erstklassige Bildschirmqualität garantieren, nur weil sie teuer sind. Wie bei anderen Laptops auch zeigen sich Unterschiede. Wer besonderen Wert auf das Display legt, sollte das im Hinterkopf behalten und sich gegebenenfalls im Elektrofachhandel einen Eindruck von Schärfe, Farbdarstellung und Ausleuchtung verschaffen.

Die flachen Gehäuse lassen die Platzierung der Schnittstellen zu einer Herausforderung werden. Einige Hersteller haben Einfallsreichtum bewiesen und beispielsweise Ports zum Ausklappen angebracht oder sie hinter einer motorisierten Leiste versteckt (Acer Aspire S5). Teils werden auch verkleinerte Versionen eingesetzt.

USB 3.0 oder Thunderbolt ab Ivy Bridge Pflicht

Die Ivy-Bridge-Modelle hat Intel zu einem USB-3.0-Port oder Thunderbird zur flotten Datenübertragung verpflichtet. Wie viele weitere Anschlüsse hinzukommen, ist von Modell zu Modell verschieden. Das Maximum liegt bei insgesamt drei USB-Schnittstellen, bei einigen ist HDMI der einzige Grafikausgang. Die schlanken Zenbooks von Asus wandeln - insbesondere in Generation eins - auf den Pfaden des MacBook Air, beschränken die Kontaktmöglichkeiten also auf das Nötigste. Immerhin wird ein kleiner Strauß Adapter mitgeliefert, während Apple für jeden einzelnen zur Kasse bittet. Auch LAN muss jeweils nachgerüstet werden. Für Business-Anwender, die das Ultrabook am Schreibtisch mit Maus, Tastatur, Monitor und einer externen Festplatte betreiben, wird es dann eng. Spielt geringes Gewicht aber zwingend eine Rolle, wäre ein USB-Hub oder eine Docking-Station zu überlegen. Diese sind auch als Universal-Dock von anderen Herstellern erhältlich. Wir haben bereits eine solcher Stationen getestet: das Toshiba Dynadock 3.0. Nur im 11-Zoll-Bereich muss mitunter auf einen Kartenleser verzichtet werden, durchweg selten zugegen ist ein Modul für mobiles Internet per UMTS.

Akku zumeist fest verbaut

Eine Sache, die für das Apple MacBook Air seit eh und je gilt, ist in Ultrabooks eher die Regel als die Ausnahme: ein fester Akku, der nur durch den Hersteller getauscht werden kann. Einen zweiten Akku unterwegs zum Wechseln mitzunehmen, fällt dann flach. Anders macht es das kommende Latitude 6430u, auch im Sony Vaio T13 (Test) ist der Akku durch den Nutzer selbst austauschbar.

Fazit: Für Mobile und Ungeduldige eine Überlegung wert

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass anspruchsvolle Spielefans und sehr leistungsorientierte Anwender besser mit stärkeren Notebooks bedient sind. Die Ultrabooks sind nunmal auf schlanke Abmessungen und Mobilität getrimmt, weshalb hier und da Kompromissbereitschaft gefordert ist. Beliebiges Tauschen von Komponenten und ein obligatorisches DVD-Laufwerk fallen nicht in die Ultrabook-Schublade, dafür flotte Reaktionen und lange Laufzeiten ohne Netzteil. Auch abseits der Intel-Vorgaben finden sich entsprechend bestückte Laptops, die das Tag Ultrabook vielleicht nur aufgrund eines Millimeters oder einer etwas kürzeren Laufzeit nicht erhalten haben. Unter Umständen lohnt es sich deshalb, seinen Blick über den Tellerrand schweifen zu lassen. Ein Beispiel für eine ähnliche Zusammensetzung, ohne die Ultrabook-Kategorie zu treffen, ist das Dell Vostro 3360 mit SSD.

Ein Haken ist oftmals der Preis: Die Anschaffungskosten für ein flottes Ultrabook sind im Schnitt höher als für ein dickeres und schweres Notebook. Die Einstiegspreise sinken aber nach und nach. Mit dem Touch-optimierten Windows 8 stößt außerdem eine Generation mit berührungsempfindlichem Display oder besonderer Flexibilität dazu. Dann muss sich der interessierte Käufer nicht nur für Microsofts neues OS, sondern auch für eine andere Bedienung entscheiden. Diese speziellen Formen sind für Tablet-Freunde sicher besser geeignet als für typische PC-Aufgaben. Doch die Convertibles, Slider und Touch-Notebooks schlagen eine Brücke: So wie Tablets mit Windows 8 und ansteckbarer Tastatur zum Laptop werden, mutieren Ultrabooks mit Touch-Bildschirm und Drehgelenk zum Tablet. Der Gewinner ist der Verbraucher, der bei der Vielzahl an Geräten das auf seine Bedürfnisse Zugeschnittene wählen kann – auch wenn die Entscheidung schwer fällt.

(Saskia Brintrup)

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