Frühjahrsputz

PC Tuning: Computer reinigen, aufräumen, beschleunigen

Frühjahrsputz ist einer dieser saisonal bedingten Bräuche, die bekannt, aber nicht unbedingt beliebt sind. Meist bezieht sich der Begriff auf die heimischen vier Wände. Bei dieser Gelegenheit hat sich aber eigentlich auch der beste Freund des Menschen – der PC – eine Komplettreinigung verdient, schließlich muss er bis zu 24 Stunden am Stück arbeiten, teilweise sieben Tage die Woche.

Arbeitsplatz© Petinovs / Fotolia.com

Soviel Einsatz geht natürlich nicht spurlos am Rechner vorüber. Unter der Last von Staub, überflüssigen Programmen und gigabyteweise Datenmüll bricht irgendwann auch der schnellste Rechner zusammen. Um das zu vermeiden und den PC zu beschleunigen, empfiehlt es sich, ihm einmal jährlich eine Kur zu gönnen.

PC Tuning - Los geht's

Die besteht im Wesentlichen aus zwei Schritten: Erst einmal wird die Hardware auf Hochglanz gebracht, anschließend kann sich der PC-Freund der Pflege des Betriebssystems widmen.

Das Reinigen eines PCs ist keine Zauberei, sofern einige Sicherheitstipps beherzigt werden. Bevor man sich am dem Rechner zu schaffen macht: Netzstecker ziehen. Danach gilt es, sich erst einmal zu erden, um eventuell vorhandene statische Aufladung abzuleiten – darauf reagieren Mainboard, Grafikkarten und Co. allergisch. Hierfür eignet sich beispielsweise ein Heizkörper oder auch ein Wasserhahn. Dann alle Geräte wie Monitor und Drucker vom PC trennen. Das Gehäuse lässt sich nun einfach öffnen, zur besseren Reinigung sollten gleich beide Seitenwände samt Gehäuseoberseite demontiert werden.

Grobe Verunreinigungen und auf Rattengröße mutierte "Wollmäuse" können mit einem handelsüblichen Staubtuch verscheucht werden. Mit viel Fingerspitzengefühl lässt sich auch ein Staubsauger (kleinste Stufe) zum Reinigen einsetzen, dabei aber genug Abstand zum Mainboard bewahren, um keine Jumper einzusaugen. Der Sauger eignet sich auch prima zum Säubern der Lüftungsschlitze. Die feine Staubschicht, die sich auf dem Mainboard und den diversen Karten breit macht, wird man am besten mit einem weichen Pinsel los.

PC langsam Lüfter staubigDas ist die unschöne Wahrheit: Ein CPU-Lüfter nach etlichen Betriebsjahren aus der Nähe betrachtet.© andreysafonov / Fotolia.com

Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Lüfter gelegt werden: Stark verschmutzt laufen diese unruhig, werden dadurch lauter und bringen weniger Leistung. Im schlimmsten Fall quittieren sie ganz den Dienst, was schnell zum Hitzetod der Hardware führen kann. Außerdem verfügen fast alle Lüfter mittlerweile über Temperaturfühler und können so die Drehzahl anpassen. Liegt der Sensor unter einer dicken Staubschicht, liefert er zu hohe Werte. Die Folge: Der Lüfter arbeitet unter Volllast und ist entsprechend laut. Zur gründlichen Reinigung hat sich hier der Einsatz von herkömmlichen Wattestäbchen bewährt.

Frühjahrsputz für den PC: Reinigen der Peripherie

Mithilfe von Föhn, bitte nur Kaltluft, oder Druckluft aus Dosen wird zwar fix den Staub aus dem Rechner gepustet, er wird dabei jedoch auch munter in der Umgebung verteilt. Hat man zu Hause einen Balkon, eine Terrasse oder ähnliches, sieht die Sache schon besser aus. Für empfindliche Nasen empfiehlt sich bei dieser Arbeitsweise eine Staubmaske. Festplatten, Laufwerke und Netzteil brauchen keine besondere Pflege, Staub wischen mit einem Tuch reicht völlig aus. Besonders gründlich wird der Frühjahrsputz, wenn alle Komponenten ausgebaut werden, um so auch das letzte Staubkorn zu eliminieren.

Schmutzige Anhängsel: Maus, Tastatur und Monitor reinigen

Fast geschafft, fehlen aber noch Maus, Tastatur und Monitor. Die Eingabegeräte können mit Kunststoffreiniger wieder auf Hochglanz gebracht werden, herkömmliche Glas- oder Flächenreiniger reichen natürlich auch aus. Um die gröbsten Unreinheiten zu beseitigen, sollte die Tastatur im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf gestellt werden. Für die Zwischenräume der Tasten kommen wieder Wattestäbchen zum Einsatz. Geduldige Naturen können die Tasten zur gründlicheren Reinigung auch von dem Keyboard entfernen, ein vorher aufgenommenes Foto vom Tasten-Layout hilft beim späteren zusammen puzzeln.

TFT-Bildschirme müssen vorsichtig behandelt werden, die Oberfläche kann bei unsachgemäßer Reinigung leicht zerkratzen oder trübe werden. Für den Putzspaß zwischendurch eignet sich ein feuchtes, weiches und natürlich fusselfreies Tuch. Für hartnäckige Verschmutzungen wie Nikotin hält der Fachhandel spezielle TFT-Reiniger bereit. Bei eventuell vorhandenen Peripheriegeräten genügt die Reinigung mit einem feuchten Tuch völlig.

Betriebssystem aufräumen und Programme bändigen

Nach der Schönheitskur folgt nun die Entschlackung des Betriebssystems. Im Laufe der Zeit hat sich einiges an überflüssigen Daten angesammelt, die den PC langsam und behäbig machen. Dazu kommen noch unzählige Programme, die ungefragt bei jedem Windows-Start geladen werden. Folgende Hinweise beziehen sich auf Windows XP sowie Windows Vista und Windows 7, funktionieren aber auch bei älteren Versionen.

Ballast entfernen

Wer einige Tipps beachtet, hält seinen Rechner länger fit. Als einfache Grundregel gilt: Überflüssige Programme sollten immer über die Windows Systemsteuerung oder die Uninstall-Funktion der Software entfernt werden. Ein einfaches Löschen der Ordner lässt unzählige Verweise und Dateileichen zurück.

Für fortgeschrittene Benutzer erweist sich das Windows-interne Programm msconfig als praktische Hilfe (Startmenü, Zubehör, Ausführen, "msconfig" eintippen). Die Software listet übersichtlich alle Dienste und Programme auf, die Windows bei Beginn startet. Unter dem Punkt "Systemstart" lassen sich unerwünschte Programme deaktivieren, um so das Hochfahren zu beschleunigen. Generell gilt: Keine Programme abschalten, bei denen als Hersteller Microsoft angegeben ist. Bei den anderen Einträgen handelt es sich gerne um "Shortcuts", die Teile der Software im Voraus laden, um sie bei Bedarf schneller starten zu können. Heißt im Klartext: Auch wenn die Anwendungen nicht benötigt werden, verbrauchen sie Systemressourcen. Kandidaten hierfür sind zum Beispiel Apples Quicktime, aber auch OpenOffice. Der Punkt "Dienste" kann weitestgehend ignoriert werden.

Computer aufräumen: Mehr Speicherplatz schaffen

Ein aufgeräumter Desktop erleichtert das Arbeiten und schont Augen und Nerven. Unter XP können überflüssige Verknüpfungen mit Hilfe des Desktopbereinigungs-Assistenten (Rechtsklick auf den Desktop, Desktop anpassen, Bereinigen) entfernt oder in einen separaten Ordner verbannt werden. Vista und Windows 7 erfordern manuelles Löschen. Ebenfalls lästig ist ein proppenvolles Startmenü, was sich erst nach einer gefühlten Gedenkminute öffnet. Dort vorhandene Verknüpfungen zu selten gebrauchten Anwendungen können bedenkenlos gelöscht werden.

Mehr Speicherplatz

Obwohl die Festplatten mittlerweile enorme Speicherkapazitäten erreicht haben, ist der Platz dennoch rar. Um wenigstens einen Teil wieder zu bekommen, hat Windows ein einfaches Werkzeug an Bord: Rechtsklick auf das Datenträgersymbol, der Button "Bereinigen" startet das Aufräumprogramm, was den gröbsten Müll beseitigt. Bei Windows 7 lässt sich die Option über das Eigenschaften-Fenster oder das Startmenü - alle Programme - Zubehör - Systemprogramme - Datenträger bereinigen aufrufen. Zusätzlichen Speicherplatz schafft man durch das Löschen diverser temporärer Ordner und Dateien, die bezeichnenderweise den Namen "Temp" beziehungsweise die Endung *.tmp tragen. Mit der Suchfunktion sind diese schnell gefunden.

Anschließend geht es dann doppelt vorhandenen Dateien auf der Festplatten an den Kragen, die bevorzugt in Foto- und MP3-Verzeichnissen auftauchen. Die kostenlose Applikation AllDup sucht genau nach diesen Dubletten und zeigt sie anschließend an. Wieder gilt: Vorsicht beim Löschen, im Zweifelsfall die Dateien behalten. Alles Unwichtige gelöscht, aber trotzdem kein Platz? Vielleicht wurde etwas übersehen: Auch hier gibt es Abhilfe in Form von Software. Die Freeware-Anwendung HDGraph durchleuchtet die Festplatten und zeigt an, wo sich besonders viele beziehungsweise große Dateien verstecken.

Zu guter letzt: Gesundheitscheck für den PC

Um die Behandlung vollständig zu machen, ist ein kompletter Scan des PCs mittels einer Antiviren-Software empfehlenswert. Auf Nummer sicher geht, wer sich eine zweite Meinung einholt – beispielsweise bieten Symantec oder Kaspersky einen kostenlosen Online-Virencheck. Zu guter Letzt hat sich die Festplatte eine Defragmentierung verdient.

Ziellinie

Fertig! Blitzblank geputzt und frühlingsfrisch arbeitet es sich am Computer gleich doppelt so schön. Mit dem Aufräumen von Windows verhält es sich dabei ein bisschen wie mit dem Autowaschen: Regelmäßige Pflege verhindert das große Chaos am Ende – es muss ja nicht jeden Samstag sein.

Ein Hinweis zum Schluss: Im Zusammenhang mit Themen wie Windows aufräumen oder beschleunigen ließt man des Öfteren den Hinweis, die Windows-Registry mit Hilfe diverser Tools zu entrümpeln. Wer Wert auf ein stabiles System legt, sollte sich genau informieren. Änderungen in der Registrierung sind eine Wissenschaft für sich, ein Fehler kann das das gesamte Betriebssystem zum Erliegen bringen. Faustregel für eine gesunde Registry: Nur das installieren, was man auch wirklich benötigt und Programme immer mit der Uninstall-Funktion entfernen, so bleibt die Windows-Registry schlank. Falls man sich doch an dieses Thema wagen möchte und sich darüber hinaus den Frühlingsputz erleichtern möchte: Wartungs-Programme wie TuneUp Utilities erledigen das Aufräumen recht zuverlässig, auf Wunsch wird auch automatisch eine Sicherheitskopie der Registrierung angelegt. Kostenlos gibt es die Software aber leider nicht, allerdings wird eine 30-Tage-Testversion mit vollem Funktionsumfang angeboten, danach werden 39,95 Euro fällig.

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